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Im zweiten Teil dieser Beitragsreihe widmen wir uns einem gemeinsamen Konzept aus TCM und Yoga/Ayurveda. Diesmal geht es um die Betrachtung des Begriffs „Lebensenergie“. In der TCM Qi genannt, im Yoga Prana.


Qi – die Lebensenergie in der TCM
In der TCM existiert das Modell der Lebensenergie ebenso. In der Literatur finden sich unterschiedliche Qi-Arten und Einteilungen in Haupt- und Neben-Qi.
Qi: wird vom Wort Atem abgeleitet, manchmal auch als Himmelsatem übersetzt. In seiner weitesten Fassung ist damit die gesamte subtile und mystische Energie gemeint, die das Universum lenkt oder noch besser, es ist das pulsierende Universum selbst.
Qi kann als Energie und Materie gesehen werden. Alles Existierende ist eine Manifestation des Qi – ein Sichtbarwerden von Dingen aller Art. Der Begriff „Qi“ wird häufig mit dem Wort Energie übersetzt. Energie wird dabei Materie gegenübergestellt. In der TCM ist Energie und Materie etwas lückenlos Zusammenhängendes. Qi wird aus Nahrung und Luft durch Milz-Pankreas und Lunge produziert.
Jing: die Essenz. Die materielle Basis unseres Körpers, die jede Zelle nährt. Jing wird in den Nieren gespeichert und versorgt von dort alle Organe. Es wird unterteilt in das vorgeburtliche Jing und das nachgeburtliche Jing. Während das nachgeburtliche durch unsere Art zu leben, zu essen und uns zu bewegen geprägt ist und daraus entsteht, aber auch aufgebraucht wird, kann das vorgeburtliche Jing nicht beeinflusst werden, und wenn dieses aufgebraucht ist, endet unser Leben. Achten wir gut auf das nachgeburtliche Jing, kann das vorgeburtliche Jing davon profitieren. Jing kann also langfristig für die Dauer unseres Lebens betrachtet werden.
Shen: ist die subtilste Form des Qi. Meist mit Geist oder Psyche übersetzt, ist aber viel umfassender. Shen kann nicht genau übersetzt werden, sondern nur beschreiben. Shen belebt Körper und Bewusstsein, es ist die treibende Kraft der Persönlichkeit. Manchmal als Seele übersetzt, liegt es unter den Schichten von Qi und Jing als innere Antriebskraft und Stärke. Shen wird sowohl mit Bewusstheit und Gewahrsein als auch mit Kreativität in Verbindung gebracht. Der Zustand von Shen eines Menschen ist sichtbar und erfahrbar. Shen ist überall, besonders aber in Gesicht, Augen, Haut, Zunge und Puls. Shen ist der Glanz der Augen, der Haut, des Haares, die Lebendigkeit und Elastizität des Pulses. Die Beurteilung von Shen ist diagnostisch und prognostisch von großer Bedeutung.

Qi, Jing und Shen werden die drei Schätze genannt!

Andere stoffliche Qi-Formen im Körper sind Blut und sonstige Körperflüssigkeiten. In anderen Modellen findet sich eine Vielzahl von weiteren Qi-Kategorien: Ying Qi – das nährende Chi, Wei Qi – das abwehrende Qi, Kong Qi – aus der Luft, Earth Qi – aus der Erde – um nur einige zu nennen.

Yoga

In der TCM steht der Sommer für das Element Feuer, welches wiederum heißem Klima und dem Anahata (Herz) Chakra zugeordnet wird. Die Energie des Feuers ist nach oben steigend. In dieser Jahreszeit steht die Natur in voller Blüte, der Mensch ist ebenso nach außen gerichtet. In dieser Zeit sind wir sehr kommunikativ, verlieben uns gern, sind dynamisch und viel in Bewegung, manchmal von einem jugendlichen Leichtsinn erfasst, und es fällt uns schwer, Ruhe zu finden, um uns zu regenerieren. Diese Zeit wird auch als das „große Yang“ bezeichnet. Yang steht für Wärme, Licht, Aktivität und Expansion.

Der Sommer beginnt in der TCM bereits Anfang Mai, in manchen Kalendern sogar im April. Das Organpaar, das dem Sommer zugeordnet wird, ist der Herz- und Dünndarm-Meridian. Außerdem die Meridianverläufe des Perikards (Herz/Kreislauf) und des Dreifach-Erwärmers.
Den Herz- und Dünndarm Meridianen werden die Funktion von Umwandlung und Aufnahme zugeschrieben.
Der Herzmeridian ordnet externe Reize auf den Organismus ein und steuert daraufhin eine Körperreaktion. Störungen im Herzmeridian sind mit nervösen Spannungen und übermäßiger Besorgnis verbunden. Reaktionen können mit Räuspern, Schluckbeschwerden, feuchten Händen und rotem Kopf einhergehen.

Der Dünndarmmeridian wandelt die Nahrung in eine für den Körper verwertbare Form um. Störungen in dessen Verlauf drücken sich durch Stauungen in Nacken- und Schulterbereich, Müdigkeit, Kreuzschmerzen oder Beinkrämpfen aus. Sie stehen in Verbindung zu unterdrückten Emotionen.
Der Herz-Kreislauf-(Perikard)-Meridian und der Dreifach-Erwärmer helfen, den Qi-Kreislauf zu erhalten, indem sie nährendes Qi und schützendes Qi in die inneren und äußeren Regionen des Körpers leiten.

Fortsetzung folgt...

Den 1. Teil der Reihe finden Sie hier.

Weitere Beiträge von Astrid Eder finden Sie hier.

Astrid Eder

Astrid Eder

Bauernhof Kind mit Studium der Wirtschaftswissenschaften, ehemalige Vielfliegerin für ein Luxuslabel, tauschte Prada gegen Prana unter Einfluss von Panik, mehrjährige Vipassana- und Zenpraxis, Yogalehrerin (500 YAA) mit Hang zu Teekonsum nach Gung Fu Cha, Achtsamkeitslehrerin  und MBSR Lehrer...
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