Leben

Nie oder nicht gut genug? Wie eine Frage zum größten Hindernis auf der Suche nach dem Glück werden kann.

Seit Tagen wälze ich die Fragen nach dem Glück, dem Glücklichsein, in meinem Hirn hin und her, ja, natürlich weiß man, was das heißen soll, aber weiß ich’s? Vor der Haustüre steht ein großer Lieferwagen, der mir zumindest auf eine Frage eine deutliche Antwort gibt. Da steht in großen Lettern: Kann man auch ein Haus glücklich machen? Wenn’s einer kann – dann Altttensam!* (leicht verändert)

Was immer diese Firma kann, wer immer diese Firma ist, sie kann auch ein Haus glücklich machen. Dann muss das doch auch mit den BewohnerInnen dieses Hauses möglich sein. Ich wohne in diesem Haus. Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin. Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Ich bin glücklich, wenn ich in meiner Balance bin. Jaja, aber wie schaut meine Balance denn nun aus? Was ist das überhaupt?

Da kommen dann die großen Sprüche des Ayurveda: Wenn du gut schläfst, gut isst, gut scheißt, gut eingebunden bist in deine Umwelt, wenn deine Familie dich liebt, wenn auch die alle glücklich sind, wenn sie alle gesund und wohlversorgt sind, wenn du genug Geld hast, ein starkes Dach über dem Kopf, gute Arbeit , genug Freizeit, Urlaub, Beweglichkeit, wenn dein Computer sicher und schnell arbeitet, wenn du gute FreundInnen hast, die sich im Notfall auch um dich kümmern, wenn du deine Meinung frei äußern kannst, wählen gehen kannst und nicht geschlagen, unterdrückt und ausgebeutet wirst. Ach ja, und wenn du genug gutes Wasser, gute Luft, genug Energie für dein Auto, Sicherheit hast und überhaupt alles andere auch gut ist. 

Vollkommen sein


„Und was ist, wenn ich das alles nicht habe, und erst recht, wenn ich das alles habe und trotzdem nicht glücklich bin?“, fragt mein zerrupftes Ego-Hendl. Tja, dann bist du aus deiner Balance herausgefallen und kannst, wenn du willst, wieder von vorne anfangen, irgendein klitzekleines Trauma wird ja wohl aufzutreiben sein. „Ich will nicht mehr!“, schreit mein Ego-Hendl. „Ich will endlich glücklich sein, und zwar durchgehend! Mein Leiden ist immer das gleiche: Ich bin nicht gut genug, alle meine Leiden kommen aus dieser Ecke. Weil ich so bin, wie ich bin, bekomme ich die Rechnung: Leiden in unendlich vielen Formen, Gestalten, Gedanken, Gefühlen, Situationen, Schmerzen, Krankheiten. Warum? Warum bin ich NIE gut genug, warum kann ich tun, was ich will, und trotzdem, irgendwo in mir drinnen, immer das gleiche Tönen: Nicht gut genug!“

Das ist unsere Erbsünde, wir kommen als SünderInnen auf die Welt! Zumindest die Katholen haben das genialerweise in die goldene Monstranz gegossen – nie gut genug, im lebenslangen Konflikt gefangen, im lebenslangen Leiden.
Da sagt eine: „Ich möchte mein Leiden umarmen, dann hab’ ich wieder Platz in meinem Herzen.“ Eine andere: „Ich bin das Vollkommene, weder nicht gut genug noch gut genug, ich steige aus aus dem langweiligen Ringelspiel zwischen ‚nicht gut‘ und ‚gut genug‘, ich bin ein Kind des Vollkommenen, welch ein vollkommenes Glück!“ Sagt’s und geht weiter mit mutigen Schritten. So wünsche ich uns allen den nächsten mutigen Schritt – hinein in die Vollkommenheit, heraus aus dem ewigen „Ich bin nicht gut genug!“
Ihre Renata Mörth

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