Leben

Unsere Erde hat in ihrer langen Lebenszeit schon mindestens fünf Massensterben überlebt, Eiszeiten und Hitzeperioden, den Anstieg der Meeresspiegel und dann wieder Austrocknung.

Sie hat unvorstellbare Veränderungen durchgemacht und dreht sich immer noch und wird das auch nach uns tun. Jeden Frühling wird sie wieder grün und bunt, zumindest in dem paradiesischen Land, in dem wir wohnen. Unser Zeitalter wird Anthropozän genannt und ist erst wenige Jahrzehnte alt. Wir haben es in dieser kurzen Zeit immerhin geschafft, fast 40% der Pflanzen als Nutzpflanzen zu kultivieren, die Stickstoffkreisläufe durch Düngung und Massentierhaltung, durch die Verteilung von Pestiziden und Insektiziden so stark zu verändern wie seit 2,5 Milliarden (!) Jahren nicht mehr, durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe ist es uns gelungen, den Säuregrad der Ozeane so hoch zu schrauben wie vor circa 500 Millionen Jahren und – besonders erregend – in Asien, im Land des Buddha, fehlen wegen des patriarchalen Getues 200 Millionen Frauen! Das ist doch eine vielversprechende Bilanz, das Problem der Überbevölkerung wird sich so von alleine bestens lösen. Dass der Testosteronspiegel der ‚übrig bleibenden‘ jungen Männer ungleich höher ist, ist eine pikante, leider auch gefährliche Nebenwirkung. Wie blöd kann der Homo sapiens, der Homo obergscheit, eigentlich noch werden? Unsere gute Mutter Erde juckt das offenbar nicht sonderlich. Selbst wenn wir sie in einen riesigen Plastiksack eingepackt haben werden, wird sie sich ein paar Mal schütteln, alles unter sich begraben, Eis, Wasser oder Dürre, Lava und Asche über ihre Oberfläche streuen – und wir werden nicht mehr sein.

Erde


Auf unserer Erde, unserer Galaxie, dem Universum und in jedem Lebewesen tanzen die drei energetischen Prinzipien Vata, Pitta und Kapha den unendlichen Tanz des Lebens. Ayurveda beschreibt das in seiner genialen Lehre der ‚doshas‘. Alles, was vom Vata bewegt und vom Pitta transformiert worden ist, übernimmt schließlich das Kapha und baut daraus die neue Struktur. Obwohl es so ausschaut, als ob das Kapha am Ende eines Prozesses stünde, ist es doch immer der Anfang. Am Anfang des Lebens, des Tages, der Nacht und am Anfang des Jahres ist das Kapha dominant und bestimmt mit seiner Kraft das Geschehen des Lebens. Kapha wird aus den Elementen Wasser und Erde gebildet und ist das Prinzip der Fruchtbarkeit. Die Erde ist allerdings nur dann fruchtbar, wenn sie genau die richtige Menge Wasser bekommt, hat sie zu viel davon, entsteht Sumpf, hat sie zu wenig, wird sie letztendlich zur Wüste. Kapha ist unsere gute Mutter Erde und wie die gute Mutter gibt sie bedingungslos, zuverlässig und ausdauernd. Ihre Kinder können sich noch so bemühen, sie zu quälen und zu missbrauchen, sie wird trotzdem immer für sie da sein. Sie ist die Trägerin der Balance.

Nun, das Kapha ist stark, schleimt und schmiert unseren Körper und Geist und nur, wenn der Vatawind zu stark in das Feuerpitta hineinbläst und das Pitta alles niederbrennt, das Wasser dabei austrocknet, wird unsere Erde, unsere Kraft so austrocknen, dass Wüste entsteht, und dann wächst gar nix mehr. Das passiert vielerorts schon.

Tja, so ist das mit der Balance. Wir wollen’s halt alle schneller, höher, besser und immer noch mehr haben. Aber, so sagen die Weisen, die Erde hat ihr eigenes Karma, wir können sie weder retten noch zerstören – und das ist wieder eine gute Nachricht.

An manchen Tagen, in diesem reichen Sommer, überfällt mich eine unbändige Freude und Dankbarkeit darüber, dass ich hier, auf dieser wunderschönen Erde, in dieser grenzenlosen Fülle und Pracht, der Buntheit der Vögel, Fische, Pflanzen und Menschen leben darf, mitmalen darf am Gemälde ‚Menschheit‘ und ein winziger Teil des großen Lebens bin.

In diesem Sinne, leben Sie heiter, wohltätig und gesund! 

Ihre Renata Mörth

 

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