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Ich schreibe diese Zeilen am Internationalen Frauentag. Und bei allem, was richtig gesagt wird und den Tatsachen entspricht, erlaube ich mir die Frage: Ist die Opfermentalität die richtige?

Am Weltfrauentag bewegen wir Frauen uns ja zwischen Veilchen und Verzweiflung. Allein heute morgen hatte ich zehn Bilder auf meinem Smartphone, die durch Blumen auf den 8. März und damit unsere Existenz als Weiber aufmerksam gemacht haben. Eine Kollegin von mir hat auf Facebook geschrieben, dass sie es dick hat, dass die Blumenhändler, wahlweise Kosmetikinstitute oder Wellnesshotels davon profitieren. Der Vergleich mit dem Valentins- und Muttertag liegt nahe. Ich mag Blumen, weshalb praktisch jeder Tag des Jahres für mich Weltfrauentag ist. Auf meinem Tisch befindet sich immer ein Strauß, nicht selten ein Geschenk an mich selbst. An mir verdient man also am heutigen Tag nichts. Bis ein Strauß meines Partners hier wäre, könnte ich ihn im besten Fall als Trockenblumenbouquet wertschätzen, ist also auch sinnlos. Vielmehr freue ich mich, wenn er mir ein zehnminütiges Video schickt, was bislang noch nie vorgekommen ist.

Wahlweise kommen natürlich auch Männerbilder durchs virtuelle Web, allesamt sehr jung, sehr nackt und sehr objektiviert. Jetzt könnte frau ja sagen, dass es höchste Zeit ist, dass nicht nur wir Weiber als Objekte betrachtet werden, sondern dass auch die Spezies Mann auf ihr Äußeres reduziert wird. Ich halte von der Aug-um-Aug-Theorie wenig. Sie hilft weder uns noch den anderen Geschlechtern. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass genau das gewünscht wird.

Besagte Kollegin hat weiter geschrieben, dass der heutige Tag eher ein Kampftag als ein Kuscheltag sein sollte. Und tatsächlich treffen sich weltweit heute Frauen, um gegen Missstände zu demonstrieren. Ja, wir Frauen müssen gesehen werden, je älter, desto mehr. Geschenkt. Wenn wir uns verstecken, den Kopf einziehen und weiterhin in Beige auf den roten Teppich des Lebens treten, wird alles so bleiben, wie es ist. Und das sind traurige Aussichten.

Opfermentalität

Meine Aussicht ist eine andere. Nämlich jene, dass wir Frauen für uns eintreten, uns unterstützen und nicht – wie immer noch häufig zu beobachten – kannibalisieren. Im Radio habe ich heute morgen gehört, dass es allein in Deutschland 21 Millionen Frauen über 47 Jahre gibt. Das ist schon eine Macht. Wenn sich diese Millionen auf ihre Stärken konzentrieren würden, könnte sich viel bewegen. Und eine der Stärke von uns Frauen ist: Wir wissen immer einen Weg, weil wir vernetzt und um die Ecke denken können.

Weil ich davon überzeugt bin, dass wir diese Fähigkeit besitzen, verstehe ich es einfach nicht, warum Frauen immer noch gerne in die Opferrolle schlüpfen und auf den Prinzen in scheinender Rüstung warten. Der in diesem Fall durchaus auch ein großer wie der Staat oder das Gesetz sein kann. In dieser Diskussion muss ich häufig an einen Mann denken, der mir Fundraising für Tiere erklärt hat: „Menschen haben genug von gequälten Tieren. Sie spenden lieber für glückliche Tiere. Das muss man zeigen.“ Deshalb und aus eigener Erfahrung heraus weiß ich, dass Frauen, die sich ihrer weiblichen Energie bewusst sind, auch als solche wahrgenommen werden. Respektiert werden. In das große Machtganze eingegliedert werden. Von der amerikanischen Feministin Bell Hooks wird erzählt, dass sie Liebe durch Heilung propagiert hat. Wohlwollen ist eine große Kraft, die unglaublich verbindet. Auch die Geschlechter und Ungerechtigkeit. Denn diese entsteht vor allem deshalb, weil sich jemand nicht gesehen fühlt und deshalb mehr Wind um sich machen muss, als ihm im Speziellen und der Menschheit im Allgemeinen zuträglich ist. Siehe Krieg. Siehe Wirtschaft. Siehe Politik.

Am heutigen Weltfrauentag plädiere ich also dafür: Schauen wir doch genau hin. Vor allem wir Frauen auf uns selbst. Wo wir mehr in unsere Stärke, in unsere gute Energie kommen können. Wo wir Dinge mit uns machen lassen, die uns nicht dienen, und warum das so ist. Wen wir aus unserem Stamm ins Tipi holen könnten, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Ich glaube fest an diese Kraft unter Frauen, die die Welt aus den Angeln heben kann. Sich als Opfer zu sehen, wird uns Frauen auf keinen Fall gerecht. Wir können viel mehr.

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Bilder © Pixabay

Claudia Dabringer

Claudia Dabringer

Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg mit allem, was zu einer Studentenzeit dazugehört. Mehrjährige Konzentration aufs Radiomachen, bis alles durchexerziert war und das Schreiben wieder im Kopf präsent wurde. Seitdem freie Journalistin und als Fachtrainerin & Schreibpädagogin...
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