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Es liegt ein besonderer Reiz darin, mit einem leeren Kopf ins neue Jahr zu starten. Denn einerseits ist ein solches stets ein Versprechen, andererseits kann es auch eine sehr lange To-do-Liste sein. Für beides ist ein freier Kopf gut.

Früher sah mein Verständnis von Urlaub folgendermaßen aus: irgendwo sitzen, wahlweise liegen und lesen, regelmäßig essen, in der Sonne sein und interessante Dinge erleben. Und so etwas Ähnliches hatte ich mir im Grunde auch vorgestellt, als ich Ende des vergangenen Jahres beschloss, relativ früh in die Weihnachtspause zu gehen. Gut, vielleicht war das nicht ganz so vorausschauend, wenn man bedenkt, dass die Zeit zwischen Heiligem Abend und Neujahr der Familie gehört, wo man sich sieht, miteinander Quality time verbringt und auch sonst Menschen trifft, die einem am Herzen liegen. Auch fielen in diese Zeit wieder Reisevorbereitungen für die traditionelle Zeit im Süden samt Flug.

Dort angekommen, wo es normalerweise warm und ruhig ist, erwarteten mich weitere Vorbereitungen für unsere Segnungszeremonie am Strand – barfuß, im Angesicht des Meeres meinem Mann, seinen Kindern und Freunden noch einmal meine Gefühle zu offenbaren, war ein unvergessliches Erlebnis. Zusätzlich durfte ich Zeit mit meinem Jüngsten - der jetzt nicht mehr der jüngste, sondern zweitjüngste Sohn geworden ist - und seiner Freundin sowie meiner Trauzeugin samt Familie verbringen. Allen meine Liebe für Kapstadt vermitteln zu können, war mir eine besondere Freude, die sie hoffentlich in die winterliche Kälte mitnehmen.planner 4617010 1280

Jetzt kehrt langsam wieder Ruhe ein, und mein Kopf ist angenehm leer. Ich merke das immer daran, dass sich jedes Lied, das ich irgendwo höre, in meiner Kehle verfängt. Nicht dass „Lemon Tree“ mein Lieblingssong wäre - im Gegenteil. Doch wenn sämtliche Pläne aufgegangen sind, Menschen mit guten Vibes versorgt wurden und es nichts mehr zu tun gibt, bleiben die Zitronen eben im Hirn hängen. Dabei gibt es in diesem Jahr sooo viel zu tun.

Ich bin keine Freundin von Neujahrsvorsätzen, aber sehr wohl eine, die sich Dinge vornimmt - quasi einen Ganzjahresplan aufstellt. Und weil ich ja weiß, dass kleine Schritte besser als große sind, wurde dieser Ganzjahresplan in Mikroschritte geteilt. Insofern ist meine To-do-Liste ziemlich lang geworden. Doch die fünf großen Themen bleiben, und ich freue mich sehr, sie in jeden Tag integrieren und an ihnen arbeiten zu können. Fast bin ich erleichtert, dass meine „Urlaubszeit“ vorbei ist und es wieder losgeht - klingt irgendwie komisch, fühlt sich aber richtig an.

Vor einigen Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem Mann, der mir erzählte, wie er Urlaub macht. Er nimmt sich währenddessen eine Stunde pro Tag, wo er das abarbeitet, was sich im E-Mail-Postfach und auf den sozialen Netzwerken ansammelt. Davor und danach ist er wieder im Entspannungsmodus. Mir scheint es ähnlich zu gehen. Ich habe begriffen, dass ich permanent von Inspirationsquellen für meine Arbeit umgeben bin. Weil ich sie einfach liebe. Und es mir leidtäte, eine dieser Inspirationen unbeachtet verstreichen zu lassen. Deshalb geht es fast nicht anders, als zu stoppen, das Notizheft herauszuziehen und zu schreiben oder zu fotografieren. Und dann gleich etwas daraus zu machen.

Vermutlich geht es Menschen mit festen Arbeitszeiten anders, weil eben nicht nur diese, sondern auch die Urlaubszeiten fest sind. Und damit auch das Loslassen der beruflichen Themen vermutlich leichter geht. Wie heißt es so treffend: „Alles hat seine Zeit und jegliches Vornehmen unter dem Himmel seine Stunde.“ Hin und wieder beneide ich Menschen mit festen Arbeitszeiten darum, doch meistens merke ich, dass ich doch lieber in der Work-Life-Balance innerhalb eines Tages bin. Und wenn ich mir vornehme, „Urlaub“ zu machen, wird mir klar, dass ich - obwohl ich im Grunde nur sieben Jahre meines Berufslebens angestellt war - immer noch in den althergebrachten Kategorien denke. Es wird wirklich Zeit, mich von dieser Prägung zu befreien. Vielleicht habe ich jetzt doch einen Neujahrsvorsatz.

Bilder © Pixabay

Claudia Dabringer

Claudia Dabringer

Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg mit allem, was zu einer Studentenzeit dazugehört. Mehrjährige Konzentration aufs Radiomachen, bis alles durchexerziert war und das Schreiben wieder im Kopf präsent wurde. Seitdem freie Journalistin und als Fachtrainerin & Schreibpädagogin...
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