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Leben

Eine Krebserkrankung ist nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche eine Herausforderung, wie die folgende Geschichte zeigt. Wie können wir Sicherheit finden?

Ein Mann, nennen wir ihn Markus, hat eine aggressive Krebserkrankung gut überstanden. Doch er muss in den nächsten fünf Jahren regelmäßig zur Nachsorge gehen.

Markus hatte große Angst vor einem Rückfall. Er bekam vor den Kontrolluntersuchungen Panikattacken und sagte deswegen die ärztlichen Termine ab. Seine Familie war beunruhigt und riet ihm, eine Psychotherapie zu machen. In der Therapie erzählte Markus, dass er noch immer unter Schock stehe.

Denn der Krebs habe ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.

Markus war gezwungen, von heute auf morgen sein Leben umzustellen. Er wurde operiert und musste danach zur Chemotherapie. Markus ist seitdem geschwächt. Ein möglicher Rückfall schwebe wie eine dunkle Wolke über ihm, erzählte er.

Besonders stark belastete ihn der Gedanke, dass er vielleicht nicht miterleben könne, wie seine Kinder aufwachsen. Als er darüber in der Therapie sprach, weinte er. Um seine Familie nicht zu belasten, behielt er seine Ängste für sich. Markus wachte oft mitten in der Nacht auf. Er ging dann zum Computer und suchte im Internet nach Studien über die Rückfallquoten bei seiner Krebsart.

Je mehr er sich da mit beschäftigte, umso schlimmer wurden die Ängste.

In der Psychotherapie lernte er, den Fokus seiner Gedanken in eine andere Richtung zu lenken und wieder innere Sicherheit zu erlangen. Markus konzentrierte sich zunächst auf kleine Aktivitäten, die ihm guttaten. Er ging spazieren, entspannte sich in der Badewanne und fand neue Hobbys. Er richtete für sich in der Wohnung einen gemütlichen Platz mit Decken und einem CD-Player ein.

War er gestresst, ging er dorthin und hörte Musik zum Entspannen. In der Therapie schuf er auch einen inneren Wohlfühlort. Dazu nahm er eine bequeme Sitzposition ein. Er atmete tief ein und aus. Dann schloss er die Augen und lenkte die Aufmerksamkeit nach innen. Dabei stellte er sich seinen persönlichen Wohlfühlort vor.

Bei jedem Menschen tauchen vor den geistigen Augen andere Ruheorte auf.

Bei Markus war es der Bauernhof seiner Großeltern. In der Kindheit hielt er sich dort oft in den Ferien auf. Der Bauernhof vermittelte ihm ein Gefühl von Geborgenheit. Mit dem inneren Wohlfühlort konnte er zu den Kontrolluntersuchungen gehen. Wurde er im Wartezimmer ängstlich, schloss er die Augen. Er stellte sich vor, wie er in der Wiese vor dem Bauernhof lag und den Sonnenschein genoss.

Solche Imaginationsübungen halfen ihm, den Fokus auf ein positives inneres Erleben zu richten.

Dazu passt eine alte Weisheit, die von Buddha stammen soll: „Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“


Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 131: „Alte Weisheit neu entdeckt"

Vom Alten lernen


Bilder © Unsplash.com

 

Christian Höller

Christian Höller

Christian Höller, MSc., ist akademisch ausgebildeter Psychotherapeut und Coach in Wien. Seine Fachrichtung ist Integrative Therapie. Seine Praxis befindet sich im vierten Bezirk. Er ist unter anderem spezialiert auf folgende Themen: Achtsamkeit, Spiritualität, Krisen, Burn-out, Lebensbegleitungen...
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