Die Anleitung zum Unglücklichsein: Eine satirische Abrechnung mit dem Glückszwang unserer Zeit – 13 bissige Schritte für mehr Grant, Ironie und gepflegte schlechte Laune.
Haben Sie auch die Schnauze voll von dieser Happiness-Fraktion? Alle müssen jetzt glücklich sein. Wo bleibt da der gepflegte Grant? Wer schützt das Wiener Raunzen? Wohin mit Zynismus, Sarkasmus und beißender Ironie? Wird eine anständige Winterdepression zum Luxusgut?
Die theatralen Königreiche der Drama-Queens geraten unter Beschuss dieser grassierenden ‚Glücks Mode‘. Überall Smileys – wäh!!!
Schluss mit dieser Wohlfühldiktatur! Wir retten Ihren Alltagsärger und sichern die Sorgenfalten. Halten Sie sich einfach an diese Anleitung zum Unglücklichsein.
Wer sagt denn schließlich, dass gute Gefühle besser sind als schlechte?
Die Anleitung zum Unglücklichsein – in 13 Schritten zu übler Laune
1. Reden Sie viel davon, dass Sie eigentlich Sport machen sollten, und fangen Sie nie damit an!
2. Kündigen Sie niemals Ihren Job! (Auch wenn Sie schon morgens aufwachen und keine Lust haben hinzugehen.)
3. Bleiben Sie Ihrem Freundeskreis treu. Treffen Sie sich in Lokalen, die Sie schon kennen, und reden Sie über die immer gleichen Themen. Gehen Sie neuen Begegnungen aus dem Weg.
4. Nicht zu viel Sex! Um sicherzugehen, entscheiden Sie sich für getrennte Schlafzimmer: „Weil er schnarcht ...“
5. Schauen Sie täglich TV, lesen Sie die News und surfen Sie abends möglichst lange im Internet.
6. Gehen Sie so spät ins Bett, dass bis zum Aufstehen weniger Zeit bleibt, als Sie glauben zu brauchen, um ausgeschlafen zu sein.
7. Bleiben Sie in der Stadt, am besten in Gebäuden. Meiden Sie Bewegung und Natur.
8. Reden Sie mit Ihrem Therapeuten über Ihre Kindheit und finden Sie heraus, welcher Elternteil schuld an Ihren heutigen Schwierigkeiten ist.
9. Erzählen Sie sich und anderen, dass Sie aufhören wollen zu rauchen.
10. Benutzen Sie den Ausdruck ‚zu albern‘ für alles, was Ihnen unheimlich ist, etwa Clowns, Tanzveranstaltungen, Lachflashs, Kinderspiele, Comedy ...
11. Tragen Sie täglich die Fehlerbrille und tauschen Sie sich mit allen über Ihre Funde im gesellschaftlichen Suchbild aus: „Das Wochenende ist zu kurz.“ „Der Himmel ist zu bewölkt.“ „Der Winter ist zu mild.“ „Der Sommer ist zu heiß, zu kühl, zu nass, zu trocken, zu lang ...“ „Die Leute in der U-Bahn schauen so finster.“ „Politiker sind inkompetent.“ „In der Wirtschaft geht es nur um Profit." „Reiche Menschen haben einen schlechten Charakter.“ „Das Schulsystem ist von Grund auf falsch.“
12. Halten Sie sich von Kindern fern! Falls Sie selbst schon welche haben, erzählen Sie sich und anderen, wie stressig die ersten Jahre sind und wie sehr das Ihre Beziehung belastet.
13. Meditieren Sie niemals! Das ist Gift für Sie.
Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 91: „Mit Buddha zum Glück"
Bilder © UrsacheWirkung


