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Leben

Ha Vinh Tho leitete das „Gross National Happiness Center” in Bhutan und zeigt, wie Zufriedenheit auch in Europa einen höheren Stellenwert bekommen kann.

Ester Platzer: Warum hat die Zufriedenheit der Bevölkerung in der Politik und Wirtschaft nur einen kleinen Stellenwert?

Ha Vinh Tho: In der Neuzeit ist davon ausgegangen worden, dass die Grundlage von Glück, Wohlbefinden und Zufriedenheit im wirtschaftlichen Fortschritt liegt. Die Annahme war: je reicher, desto glücklicher! So entstand in der Politik ein starker Fokus auf wirtschaftlichem Wachstum. In den schwierigen Nachkriegsjahren in Europa war ein materielles Wachstum maßgeblich, damit die Menschen ein besseres Leben führen konnten. Seit den 1960er-Jahren ist jedoch klar geworden, dass dies nicht exponentiell weitergeht. In der Zwischenzeit gibt es viele Studien, die zeigen: Solange die Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind, führt eine Steigerung des Einkommens zu einer Steigerung des Wohlbefindens. Wenn jedoch die Grundbedürfnisse gedeckt sind, gibt es keine Korrelation mehr zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Zufriedenheit.

Gibt es einen weiteren Grund?

Ja, auch die vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Strukturen sind sehr pyramidal, sie verlaufen von oben nach unten. Die wirklichen Bedürfnisse der Menschen sind daher nicht sichtbar. Die Entscheidungen werden nach Partei- oder Wirtschaftsinteressen gefällt und ziehen nicht das Wohlbefinden der Menschen oder das Gemeinwohl in Betracht.

Bhutan hat versucht, einen anderen Weg zu gehen …

Bhutan war sehr lange ein geschlossenes Land. Die Modernisierung begann in den 1970er-Jahren. Der damalige König von Bhutan, Jigme Singye Wangchuck, hat beobachtet, was in den Nachbarländern, etwa in Nepal, nach der Öffnung geschah. Nepal hat sich 1965 geöffnet, und zu diesem Zeitpunkt gab es so gut wie keine Umweltverschmutzung. Innerhalb von ein paar Jahrzehnten hat sich die Lage jedoch komplett verändert. Heute ist Kathmandu eine der am meisten verschmutzen Städte weltweit. Der Tourismus hat wirtschaftlichen Wohlstand für eine ganz kleine Minderheit gebracht, aber für die breite Bevölkerung nur Nachteile. Der König von Bhutan wollte daher einen anderen Weg beschreiten. Er stellte sich die Frage: „Wie kann Bhutan modernisiert und weiterentwickelt werden, ohne die Kultur, den Buddhismus, die Umwelt oder die Kohärenz der Gesellschaft zu zerstören?“

Was tat er dann?

Er war sich im Klaren, dass er nicht genau wusste, wie er es angehen sollte. Sein Vater war frühzeitig verstorben. Er war erst 17 Jahre alt, als er auf den Thron kam. Daher beschloss er, eine Pilgerfahrt durch das Land zu unternehmen. Er wollte von den Menschen erfahren, was ihre Wünsche sind. Er stellte fest, dass diese Wünsche sehr unterschiedlich waren. Aber zugrunde lag allen dasselbe: Sie wollten glücklich sein und versuchen, Leid zu mindern.

Zufriedenheit

Foto © privat

Wie hat er das umgesetzt?

Die Idee war, jede Entscheidung, jedes Projekt und jedes Gesetz soll als Hauptziel das Glück aller Einwohner und das Wohlbefinden aller Lebensformen haben. Bhutan als ein buddhistisches Land ging es nicht nur um das Glück der Menschen, sondern auch der Tiere, der Flüsse und Berge. Es war ein Versuch, die Entwicklung des Landes nicht nach rein wirtschaftlichen Kriterien zu lenken. So entstand der Begriff vom „Brutto National Glück“.

Und wie funktioniert das genau?

Es wurden vier Säulen entwickelt. Eine Säule befasst sich mit der Ökologie, denn ohne eine intakte Umwelt wird es für niemanden Glück geben. Bhutan hat die strengsten ökologischen Gesetze weltweit, es ist sogar CO2-negativ. Die zweite Säule betrifft die wirtschaftliche und die soziale Entwicklung. Es ist natürlich notwendig, die Wirtschaft weiterzuentwickeln, aber so, dass diese wirklich inklusiv und nachhaltig ist. Die dritte Säule widmet sich der Kultur. Bhutan will seine eigene Kultur bewahren. Es ist eines der wenigen asiatischen Länder, die nie kolonialisiert wurden, daher gibt es dort eine wirklich traditionelle buddhistische Kultur. Die vierte Säule ist gute Regierungsführung und beinhaltet das Versprechen der Regierung, dass alle Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls gefällt werden und nicht im Sinne von kurzfristigen Eigeninteressen. Diese vier Säulen kann man mit den „Vier unermesslichen Geisteshaltungen“ des Buddhismus zusammen sehen. Liebende Güte als gute Regierung, Mitgefühl als Schutz der Umwelt, Freude als Kultur und Gleichmut als Inklusion, also nachhaltige und gerechte Wirtschaft. Das waren die äußeren, die strukturellen Bedingungen, aber es gibt auch noch innere Bedingungen.

Was sind das für Bedingungen?

Den Menschen in Bhutan war aufgrund ihrer buddhistischen Wurzeln klar, dass es nicht nur gute äußere Strukturen braucht, sondern auch, dass die innere Haltung entsprechend sein muss. Es wurde geschaut, dass, wie sie es nennen, Glückskompetenzen erlernt werden, etwa in den Schulen oder Universitäten. Die inneren und äußeren Bedingungen gehen Hand in Hand. Man kann nicht nur auf das Innere schauen, da wir auch von äußeren Bedingungen abhängig sind. Man kann aber auch nicht nur auf das Äußere achten, denn wenn es keinen Bewusstseinswandel gibt, können die besten äußeren Strukturen nicht wirklich Früchte tragen. Zwei Hauptkompetenzen sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Achtsamkeit, soziale und emotionale Intelligenz. Sie tragen dazu bei, die drei Bedingungen eines glücklichen Lebens zu stärken: erstens in Harmonie mit sich selbst leben. Zweitens in Harmonie mit seinen Mitmenschen leben und drittens in Harmonie mit der Natur leben.

Zufriedenheit

Gibt es auch problematische Entwicklungen in Bhutan?

Es wäre utopisch zu meinen, dass Bhutan ein Paradies auf Erden ist. Es ist ein kleines, relativ armes Land, und natürlich gibt es Herausforderungen, schon deshalb, weil es zwischen China und Indien liegt und dauernd einen Balanceakt vollführen muss, um zu überleben. Darüber hinaus haben auch positive Entwicklungen ihre Schattenseiten. Zum Beispiel hat es Bhutan geschafft, freie Bildung für alle Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, was natürlich ein großer Fortschritt ist. Jedoch gibt es auch negative Nebenwirkungen, etwa dass es heute mehr arbeitslose junge Menschen gibt. Es gibt etwa nicht genug Arbeitsplätze für so viele junge Akademiker. Nach dem Studium wollen viele verständlicherweise nicht zurück aufs Land, um Bauern zu werden. Das ist aber gerade das Interessante am „Brutto National Glück Index“: Er ermöglicht es, sowohl die positiven wie auch die negativen Tendenzen viel genauer wahrzunehmen, als wenn man nur das Bruttoinlandprodukt misst.

Ist das Konzept auch außerhalb Bhutans anwendbar?

Ja, denn das Programm, um Glückskompetenzen zu erlernen, ist säkularer Art und wurde im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Achtsamkeit üben, soziale und emotionale Kompetenzen entwickeln sowie die Beziehung zur Natur zu fördern sind zentral, wenn es darum geht, Zufriedenheit zu etablieren. Wir haben derzeit Projekte etwa in der Schweiz und Deutschland. Wir arbeiten mit Bildungsinstituten zusammen. Wir haben auch ein Programm mit dem Namen „Happy Schools“. Es ist ein Schulprogramm, das neben den akademischen Zielen auch Glückskompetenz vermittelt. Dieses Programm wird von der UNESCO anerkannt und unterstützt. In der Hochschule Osnabrück haben wir einen einjährigen Fortbildungskurs für Manager. Auch Unternehmer zeigen immer mehr Interesse. Einige merken, dass man in der Wirtschaft nicht so weitermachen kann, denn auch dort müssen ökologische und menschliche Dimensionen mehr mit einbezogen werden.

Findet ein Bewusstseinswandel statt?

Anfangs war die Idee in der westlichen Welt schwer zu verbreiten, denn alles dreht sich um den Konsum. Diese Mentalität steht jedoch in absolutem Widerspruch zu den ökologischen Notwendigkeiten. Bei jungen Leuten sehe ich einen Bewusstseinswandel. Sie stellen das Modell vom grenzenlosen Wachstum – das veraltet ist – infrage. In Bhutan gehen wir einen Mittelweg: sich weder ganz den Sinnengenüssen hingeben noch reine Askese üben. Das liegt auch wegen der buddhistischen Tradition nahe. Aus buddhistischer Perspektive sind Gier und Begierde ein Grund des Leids. In der westlichen Welt glaubt man hingegen häufig, die Erfüllung von Wünschen und Begehren ist die Grundlage des Glücks.

Kommt der Wandel eher von der Regierung oder der Bevölkerung?

In Bhutan hat die Regierung angefangen, die Zufriedenheit der Bevölkerung zu fördern. In der westlichen Welt ist es nicht so. Obwohl es schon Regierungen gibt, wie etwa Neuseeland, Schottland oder Island, die Wohlbefinden als Indikator mit hineinnehmen in ihre Messungen. Interessanterweise haben alle Länder, die dies eingeführt haben, Frauen als Präsidentinnen. Die Systeme sind weitgehend noch sehr verhärtet, und gewisse Menschen haben klarerweise kein Interesse an Veränderung, da sie ihre Machtpositionen verlieren würden. Die Coronakrise hat jedoch gezeigt, wie labil die Systeme sind. Sie können von heute auf morgen zusammenbrechen.

Wie meinen Sie das?

Ich glaube, die Coronakrise war nur ein erstes Anzeichen. Mit dem Klimawandel werden etwa die Naturkatastrophen häufiger. Die Frage ist nicht, ob sich was ändern wird, es wird sich auf jeden Fall etwas ändern, denn so geht es nicht mehr weiter. Die Frage ist nur, ob wir so lange warten, dass wir aufgrund von großem menschlichen Leid, Naturkatastrophen oder Kriege gezwungen werden, etwas zu ändern. Oder können wir vorbeugend, präventiv etwas verbessern? Wir brauchen ein neues Wirtschaftssystem und einen neuen Gesellschaftskontext, welche von innen heraus mit Mitgefühl und Wohlwohlen aufgebaut werden.

Kann jeder Einzelne etwas dazu beitragen?

Ein Bewusstseinswandel beginnt bei jedem Einzelnen. Es genügt aber nicht, wenn ich mich nur für mich allein ändere. Es ist notwendig, das sich Menschen, die die gleiche Gesinnung haben, zusammentun und sozial, politisch und wirtschaftlich tätig werden. Der Ausgangspunkt ist ein rechter Lebenswandel jedes Einzelnen. Das Leben soll Ausdruck von Werten und Idealen sein. Was kaufe ich? Was kaufe ich nicht? Wie führe ich mein Leben? Und wie stärke ich mich innerlich? Viele sind als Privatpersonen ehrliche und gute Menschen, aber im Beruf tun sie vielleicht etwas Unmoralisches und beuten andere Menschen oder die Natur aus. Der strukturelle Wandel und der Bewusstseinswandel können nur gemeinsam stattfinden. Alle Menschen haben eines gemeinsam: Sie wollen glücklich sein und wollen auch, dass die anderen glücklich sind.


Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 118: „Zufriedenheit"

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Dr. Ha Vinh Tho leitete viele Jahre das „Gross National Happiness Center“ in Bhutan. Nun versucht er, die Idee des „Brutto National-Glück“ weltweit in Firmen, Schulen und Organisationen zu tragen. Er ist der Autor von „Der Glücksstandard“ bei Droemer Verlag.

Bild Teaser & Header © Pixabay

Ester Platzer

Ester Platzer

Ester Platzer, 1979, lebt in Wien und ist Mitglied der Chefredaktion bei Ursache\Wirkung. Davor lebte und arbeitete sie viele Jahre in Ostafrika. Ester absolvierte ihr Magisterstudium in internationaler Entwicklung an der Universität Wien.
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