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Leben

Leben in einer ökologischen und spirituellen Gemeinschaft. Ein Bericht.

7:30 Uhr. Der Klang einer Messingglocke mischt sich mit dem Gesang der Amsel, die auf dem First des Reetdachs sitzt. Von diesem erhöhten Platz aus hat sie den Überblick über den bunten Bauerngarten auf der Nordseite und auf die Dorfstraße und die Nachbargrundstücke auf der Südseite. Nur die Douglasie und die uralten Eichen im Vorgarten überragen das hohe Dach des „Friedenshofs“, und ein paar Hundert Meter weiter, am Dorfrand, schaut der Kirchturm hinter Baumkronen und geduckten niedersächsischen Bauernhäusern hervor.

Die Glocke ruft zur Meditation in den kleinen Schweigeraum, der ohne religiöse Symbolik auskommt: Die Mitte ist leer. Das ist Programm. Dort in der Leere und in der Stille finden wir unseren gemeinsamen Grund. Alle spirituellen Traditionen kommen aus dem Einen Klang, dem OM, der Leere, dem Unnennbaren. Im Versenken in die Stille – oder in das Eine – finden wir eine verbindende Praxis, unabhängig von unseren religiösen Hintergründen. Nicht alle Gemeinschaftsmitglieder kommen zur Meditation. Für manche ist das kein begehbarer Weg. Andere sind um diese Zeit schon mit der Tierversorgung beschäftigt. Insbesondere das Melken der Milchschafe braucht regelmäßige Zeiten am frühen Morgen.

Das Begrüßungsritual um 8:00 Uhr ist dann für alle obligatorisch. Wir begrüßen den Tag mit einem Lied, einem wöchentlich wechselnden Text und einem Tanz aus dem Schatz der „Tänze des Universellen Friedens“. Wir verbeugen uns einzeln voreinander, wünschen einen schönen Tag und besprechen, wie wir unsere Arbeiten aufteilen. Es gibt die Arbeit an der Baustelle für neuen Wohnraum und Gästezimmer. Die sollen in einem Nebengebäude entstehen. Es gibt die Arbeit im Garten und in den Gewächshäusern, in Küche und Haus, im Büro sowie Mithilfe in einem Biolandbetrieb. Wir haben Zeiten für Gespräche miteinander und mit Gästen, organisatorischer und persönlicher Art. Kommunikation ist ein wesentlicher Baustein des Gemeinschaftslebens.

Um 12:30 Uhr erklingt die Glocke zu einer weiteren gemeinsamen stillen Meditation. Um 13:00 Uhr treffen wir uns zum Mittagessen. Wir beginnen mit einem Lied. Immer wieder wird die Glocke geläutet – entweder, um zu gemeinsamen Aktivitäten zu rufen, oder als Einladung, innezuhalten, um sich zu besinnen. Wir nennen es „Rappell“ von französisch „rappeler“: sich erinnern. Es ist eine Mini-Meditation inmitten der Aktivitäten des Alltags. Wo immer wir uns gerade befinden, wir halten inne, legen den Spaten oder den Kochlöffel aus der Hand, spüren in unseren Körper hinein, kommen zurück zu unserem Atem und werden uns bewusst, was in uns und um uns herum vorgeht. Es ist eine Übung in Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit, im Aufwachen aus unseren Tagträumen, unserer Geschäftigkeit, Gedankenverlorenheit und aus Automatismus.

Gemeinschaft

Kommunikation ist ein wesentlicher Baustein des Gemeinschaftslebens.

Diese „Glocke der Achtsamkeit“ laden wir zuweilen auch in unsere Gespräche ein, die wir mit einer kurzen Besinnung beginnen. Stille vor dem Reden öffnet den inneren Raum für Begegnung, öffnet unsere Herzen, damit wir einander gut zuhören können und aus der Tiefe unseres Herzens teilen. Besinnung heißt auch: Ich komme zu mir selbst zurück, nehme wahr, was in mir lebendig ist, mache mir meine Freuden und meine Leiden bewusst, lade sie in den größeren Raum, der von der Gemeinschaft gehalten wird, ein.

Diese achtsame Haltung versuchen wir, durch unseren ganzen Alltag hindurch zu tragen; in unsere vielfältigen Tätigkeiten, in die Kommunikation, in den Umgang mit Dingen, die wir in die Hand nehmen und in das, was uns von der Natur, von Mutter Erde, gegeben ist. Meditation beschränkt sich in unserem Verständnis also nicht auf die Zeiten, die wir in Stille auf dem Kissen verbringen. Aber diese Zeiten sind für manche von uns sehr wertvoll und eine Quelle der Kraft. Jeder und jede von uns geht da den eigenen inneren Weg. Für den einen ist das christliche Herzensgebet Kraftquelle und Zuflucht, für die andere ist es die Verbindung zur hinduistischen Heiligen Amma – Mata Amritanandamayi –, oder es ist Yoga, Vipassana oder Zen.

Ich selbst bin Mitglied des Intersein-Ordens in der Tradition des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh. Meinen Übungsweg bringe ich in die Gemeinschaft ein, indem ich Meditationsabende und Achtsamkeitstage/-wochenenden auf dem Friedenshof auch für Menschen aus der Umgebung anbiete. Ich lebte einige Jahre lang im Intersein-Zentrum in Hohenau und wurde von Thich Nhat Hanh zum Dharma-Lehrer ernannt. Es ist mir ein tiefes Herzensanliegen, die Lehre und die Praxis weiterzugeben und mich selbst im Dharma zu vertiefen.

Der Austausch mit Menschen mit sehr unterschiedlichen Wegen ist überaus bereichernd. Wir üben uns dabei nicht nur in Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung, sondern finden im Dialog mit dem anderen zum tieferen gemeinsamen Grund jenseits religiöser Formen.

19:00 Uhr, wieder ertönt die Glocke. Im Garten wird ein kleines Feuer entzündet. Wir stehen im Kreis und sprechen einen Text von Lanza del Vasto, dem Gründer der „Arche-Gemeinschaften“. Dieses „Gebet ums Feuer“, das mit Dank und Fürbitten fortgesetzt und mit einem Lied beendet wird, verbindet uns ganz besonders mit der weltweiten Bewegung der Arche, die in Frankreich ihr Mutterhaus, ihren Ursprung jedoch in einem indischen Ashram bei Gandhi hat. Der Friedenshof ist ein Arche-Haus und vertritt die Werte von Gewaltfreiheit und Gütekraft, einfachem Leben, persönlicher Entwicklung und Spiritualität, sozialem Engagement, Ökologie und Bewahrung unserer Erde sowie solidarischer Ökonomie. Das Projekt wurde 1991 aus Privatinitiative gegründet. Es nahm im Lauf der Jahrzehnte immer wieder neue Formen an, ohne die Grundwerte zu verändern. Jeder einzelne Mensch, der kommt, bringt etwas Neues mit in die Gemeinschaft und bereichert sie durch sein einzigartiges Dasein – so wie auch mit jedem Menschen, der geht, ein Stück gewachsene Gemeinschaft mitgeht.


Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 117: „Meditation"

UW117 Cover


Das Gemeinschaftsleben ist schön und herausfordernd zugleich. Im ständigen Zusammensein mit andern wird man unweigerlich mit sich selbst konfrontiert. Es gibt kein Ausweichen. Man kommt auch mit unangenehmen Seiten bei sich und bei anderen in Berührung. Für viele Menschen ist das Leben in einer so verbindlichen kleinen Gemeinschaft „zu eng“. Jedes Jahr im Sommer gibt es ein Fest, bei dem die Mitglieder der Gemeinschaft ihre Verbindlichkeit entweder für ein weiteres Jahr zusagen oder aber die Entscheidung treffen, die Gemeinschaft wieder zu verlassen. Ein Gründerehepaar hat ihr Engagement nun schon dreißigmal bestätigt. Karsten und Bärbel Petersen tragen den Gründungsimpuls lebendig und permanent weiter. Zwei andere Paare sind nun auch schon seit vielen Jahren im inneren tragenden Kern der Gemeinschaft. Es gibt zudem „Mitlebende“, mit denen besondere Modalitäten abgesprochen sind. Und neben Kurzzeitgästen kommen immer wieder junge Freiwillige, die zum Beispiel über Wwoof (Worldwide working on organic farms) oder das ESC (European Solidarity Corps) Gemeinschaftserfahrungen sammeln wollen. 2021 steht unter dem Vorzeichen großer Veränderungen: Unser jüngstes der drei Paare hat ein Baby bekommen, und im Sommer wird sich uns eine Familie mit drei Kindern anschließen. Wir sind gespannt, wohin unser Arche-Boot mit der neuen Besatzung fährt.

Jan-Michael Ehrhardt ist seit 2001 Mitglied des „Intersein-Ordens“, der 1966 in Vietnam von Thich Nhat Hạnh gegründet wurde. Er lebt zusammen mit seiner Partnerin am Friedenshof, in der Nähe von Hannover, www.friedenshof.org.

Bild Teaser & Header © Friedenshof

Jan-Michael Ehrhardt

Jan-Michael Ehrhardt

Jan-Michael Ehrhardt ist seit 2001 Mitglied des „Intersein-Ordens“, der 1966 in Vietnam von Thich Nhat Hanh gegründet wurde. Er lebt zusammen mit seiner Partnerin auf dem Friedenshof, in der Nähe vonHannover, www.friedenshof.org .
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