Leben

Seit Jahrtausenden bemühen sich Religionsstifter und Philosophen darum, besagtes Problem in den Griff zu kriegen.

Da gibt’s doch heute immer wieder welche, die behaupten, dass wir in ein paar Minuten jede Angst für immer auflösen können, indem wir klopfen, umprogrammieren, Hypno und viele andere todsichere Methoden anwenden. Unlängst, in einem Erstgespräch in meiner Praxis, fragte ich die angstgepeinigte Frau, wovor sie denn Angst habe. „Vor allem! Vor allem, ich weiß nicht, vor dem Einschlafen, beim Aufwachen, vor dem Nichtschlafen, den ganzen Tag, ich hab’ immer nur Angst.“ So etwas nennt man Angstpsychose, da hilft meist nur mehr die Pharmazie und die ist allemal besser, als sich vor den Zug zu werfen. In diesen Fällen überschwemmt Angst den ganzen Menschen und die Ursache ist nicht mehr greifbar.

Normale Menschen haben hie und da bewusst Angst: Angst vor Armut, Schmerz, Krankheit, Alter, Krieg, Klimawandel, wahnsinnigen PolitikerInnen, Angst vor Fahrverboten in Innenstädten und Kerosinsteuer, vor der Preiserhöhung von Flügen als Wirkung dieser Ursache, Angst vor den Linken und den Rechten und den Radfahrern. Soll ich weiterschreiben oder ist’s eh klar? Die unbewusste Angst, die allem zugrundeliegende Erbsünde („Ich bin nicht gut genug.“), plagt hinterlistig alle.

Angst


Angst ist ein wunderbar wirksames Instrument, um Riesengeschäfte zu machen, das haben ‚die da oben‘ schon immer gewusst und redlich eingesetzt, um das dumme Volk folgsam zu machen und die eigenen Säckel zu füllen. Da waren sich alle einig, Priester, Könige und all das andere Pack. Ach, auch unsere wunderbare neue Welt ist diesbezüglich keinen Schritt weitergekommen – Ausbeutung allerorts, Boden, Menschen, Umwelt. Aber hat das etwas mit Angst zu tun? Natürlich, weil die Reichen Angst haben, ihren Reichtum zu verlieren, bauen sie Mauern. Die ein bisschen weniger Reichen bauen Zäune und dichte Hecken um ihre Gärten, damit niemand hereinschauen kann und damit sie – vor allem – nichts von außen hören und sehen müssen. Die reichen Staaten verdienen gut an der Waffenproduktion und sie verscherbeln diese an Länder, in denen noch mehr Angst herrscht. 

Heutzutage gelingt das auch gut mit Medikamenten. Erinnern Sie sich an Tamiflu? Leider ist die dazugehörige Pandemie, die Vogelgrippe, nie ausgebrochen. Hätten wir alle fleißig Tamiflu geschluckt, wäre Österreich nicht auf Millionen Packungen und Gesichtsmasken sitzen geblieben und hätte nicht Millionen Euro einem armen Schweizer Pharmakonzern in den Rachen schmeißen und danach noch für die sinnlose Lagerung aufbringen müssen. Angst. 

Apropos Boden und Umwelt. Unlängst habe ich einen etwa hundert (!) Jahre alten Vergleich von Raoul Francé, dem Vater der Bodenforschung, gehört: Wenn wir unsere Erde mit einem Apfel vergleichen, so ist das Fleisch das glühende Innere, die Haut die Kruste und der eigentlich nicht mehr sichtbare Staub auf dem Apfel ist die fruchtbare Erde. Das macht mir Angst! Ihnen auch? Und da hilft das Stillherumsitzen und ‚Meditieren‘, um die eigene Angst vor dem Leben zu überwinden, nur dem Nichthinschauen. Ja, die Erde hat ihr eigenes Karma, wissen wir alles, kümmere dich nicht um sie, wie Ramana Maharshi sagte, aber ich bin sicher, so hat er das nicht gemeint. In diesem Sinne: Gehen Sie in Ihren Garten, so Sie einen haben, und mulchen Sie mal ordentlich!

Ihre ängstliche Renata Mörth

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