Leben

Wenn Tiere zu Therapeuten werden - Fünf Pferde, drei Ziegen, drei Schweine, 25 Hühner, zwei Enten, eine Katze, zwei Hunde, drei Lamas sowie Kaninchen und Meerschweinchen leben bei uns auf dem Hof: Alle Tiere sind in die therapeutische Arbeit eingebunden.

Die Kinder, die zu uns kommen, lieben vor allem die Hühner. Der anfängliche Ekel legt sich bei den meisten erfahrungsgemäß sehr schnell. Unsere Hühner fressen nämlich aus der Hand, für viele Kinder ist das Füttern eine Überwindung, die ihnen anfangs viel Mut abverlangt. Hühner eignen sich auch sehr gut für Übungen zur Körperwahrnehmung. Wir breiten eine große Decke auf dem Boden aus und bitten die Kinder, sich auf den Bauch zu legen. Dann verteilen wir Salat und Körner auf den Rücken der Kinder, die Hühner spazieren über sie und picken das Essen auf. Das ist eine Schulung der Tiefenwahrnehmung, es erfordert eine Portion Mut und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Auf dem Hof Schwechatbach bieten wir verschiedenste Arten tiergestützter Interventionen und integrative Voltigier- und Reitpädagogik an. Ziegen, Hühner, Schweine und Lamas spielen bei den Interventionen eine wichtige Rolle. Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung oder motorischen Schwierigkeiten profitieren zum Beispiel vom Putzen der Tiere. Es stärkt das Verantwortungsbewusstsein, baut Stress ab, vor allem bei Kindern, die in Heimen leben und Verhaltensauffälligkeiten zeigen, haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie lernen, für andere da zu sein. Das wiederum stärkt ihr Selbstbewusstsein und gleichzeitig lernen sie, Verantwortung zu übernehmen.

Die Zusammenarbeit mit den Kleintieren, wie etwa den Kaninchen, ist anders. Sie fördert die Fein- und Grobmotorik unserer Kinder. Sie lernen es, indem sie beispielsweise den Stall der Tiere selbst gestalten. Sehr beliebt ist auch das Basteln sogenannter Kaninchenfutterrollen. Da werden zuerst Papierrollen gebastelt, diese dann mit einer klebrigen Wasser-Mehl-Mischung eingerieben und dann mit Körnern bestreut. Dann beobachten die Kinder die Kaninchen beim Fressen.

Mein Anliegen
Der Hof Schwechatbach bietet aber nicht nur für Kinder mit Behinderungen oder Handicaps Angebote, wir machen auch Nachmittagsbetreuung für Kinder der nahe gelegenen Volksschule.
Wir haben elf Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen und sind ein Team aus Sozialpädagogen, Kinderkrankenschwestern und Psychologinnen. Ich leite das Projekt, habe vorher aber zehn Jahre im Allgemeinen Krankenhaus in Wien als Kinderkrankenschwester Erfahrungen gesammelt. Mit der tiergestützten Intervention habe ich mir meinen großen Traum erfüllt. Ich bin hier auf diesem Hof aufgewachsen. Im Rahmen eines Praktikums während der Ausbildung zur Palliativpflege in der Pädiatrie lernte ich die Möglichkeiten der therapeutischen Arbeit mit Tieren kennen. Tiere sind einfach wunderbare Co-Therapeuten. Gemeinsam mit ihnen draußen in der Natur zu arbeiten bringt den Kindern sehr viel. Ich sehe jeden Tag, wie gut es ihnen tut.

Bei unserer pädagogisch-therapeutischen Arbeit ist mir wichtig, dass die Kinder in Kontakt zur Natur kommen und Tiere wertschätzen lernen. Alle unsere Tiere sind in einem offenen Stall untergebracht, sie können selber wählen, ob sie drinnen oder auf der Weide sein wollen. Nur mit zufriedenen und ausgeglichenen Tieren können wir auch gute therapeutische Arbeit leisten.
Unser aktuelles Projekt? Wir bauen gerade eine Reithalle, damit wir unseren Kindern endlich auch wetterunabhängig und selbst in der kalten Jahreszeit eine Therapie anbieten können. Regelmäßigkeit ist für Kinder wichtig. Die Unterbrechung von tiergestützten Therapien, nur weil es draußen nass oder kalt ist, hat uns bisher stark eingeschränkt. Das wird bald anders werden.

Marianne Edelbacher leitet den Hof Schwechatbach. Sie ist diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, diplomierte Kinderkrankenschwester, Integrative Reit- und Voltigierpädagogin sowie Fachkraft für tiergestützte Intervention.
 
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