Diskurs

Glück hat verschiedene Facetten. Es hängt von äußeren und inneren Faktoren ab. In Buddhas Reden lassen sich Anleitungen für dauerhafte Zufriedenheit finden.

In einem der ältesten Texte der buddhistischen Überlieferung, dem Sutta-Nipata, wird beschrieben, wie nachts eine Gottheit den Buddha aufsucht und fragt: „Götter und Menschen haben viel darüber nachgedacht, wie man glücklich wird. Was ist deine Antwort?“ Der Buddha zählt nun also auf, was höchstes Glück bringt:

- In Gemeinschaft mit verständigen, weisen Menschen leben und sie schätzen und unwissende Menschen vermeiden.
- Günstige Orte zum Leben haben. Die Ursachen in vergangenen und gegenwärtigen Handlungen erkennen.
- Gutes Wissen erwerben und hilfreiche Kommunikation pflegen.
- Für Familie und Freunde gut sorgen.
- Einen Beruf ausüben, der keinen Stress macht und niemandem schadet.
- Freigebig sein.
- Frei von schlechten Gewohnheiten, besonders von berauschenden Mitteln sein.
- Dankbar, zufrieden und geduldig sein.
- Sich mit den Lehren der Wahrheit beschäftigen.
- Durch Einsicht das geistige Erwachen erfahren.
- Frei von allen Sorgen sein und im Innersten unerschütterlich leben können.

In dieser Aufzählung kann man drei Arten von Glück unterscheiden. Zuerst werden äußere Bedingungen genannt, die man als großes Glück ansehen kann. Das sagt uns, dass es auf dem buddhistischen Weg erlaubt ist, gute Bedingungen zu schaffen und sie durchaus zu genießen. Man mache sich bewusst, dass gute Umstände eine Wirkung der eigenen Handlungen sind.

Im zweiten Teil geht es um Eigenschaften und Verhaltensweisen, die zum Glück führen. Häufig wird in religiösen Systemen ethisches Verhalten als Gesetze einer höheren Macht gesehen, die man deshalb zu befolgen hat. Der Buddha sagt, dass solche Richtlinien und Fähigkeiten gut sind, weil sie zum Glück führen. Im Text steht, man soll eine Beschäftigung so ausüben, dass sie ‚ruhig und geordnet‘ ist. Wir wissen, dass dauerhafter Stress im Beruf die Quelle von körperlichen und geistigen Leiden ist. Ruhe in Beruf und Familie macht glücklich und ist angewendete Achtsamkeit.

Auffallend ist, dass ausdrücklich das Vermeiden von berauschenden Mitteln genannt wird. Warum das Glück bringen soll, wird in unserer Gesellschaft oft nicht verstanden. Die meisten sehen die Gefahren einer Alkoholsucht, doch sind sie deshalb keineswegs gegen eine wohldosierte Berauschung als kleinen Beitrag zum Wohlbefinden. Doch hier sieht der Buddha weiter, warnt vor der versteckten Wirkung, die Alkohol bei einer Reihe von Erkrankungen spielen kann. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, damit er eines Tages den Konsum nicht bedauern muss. Tatsächlich kann Verzicht und Loslassen eine große Quelle von Glück werden. Es geht dabei nicht um das Ideal einer asketischen Lebensweise, sondern um ihre heilsame Wirkung.


Glück


Freiheit erleben
Die wahre Quelle des Glücks liegt jedoch in der Erfahrung von Freiheit. Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens Gewohnheiten, man braucht sie, andererseits sind sie Fesseln. Sicher trägt es zu meinem Glück bei, wenn ich morgens meinen Kaffee genau in der Art bekomme, wie ich ihn gewohnt bin. Was geschieht, wenn ich einmal heißes Wasser bekomme? Bin ich dann schlecht gelaunt, bin ich abhängig? Es ist eine wunderbare Achtsamkeitsübung, hin und wieder Dinge vollkommen anders zu machen. Der wahre Gewinn liegt darin, dass die dabei erfahrene Kraft der Loslösung Glücksgefühle hervorrufen kann, die vielleicht subtiler, aber tiefer und nachhaltiger sind als jeder kurzfristige Genuss.

Diese Freiheit berührt die dritte Art von Glück. Es ist das unabhängige Glück, das die Ebene der sinnlichen Erfahrungen übersteigt. Diese beginnt, wie der Buddha sagt, mit dem Glück, das man aus der Beschäftigung mit der Lehre des Buddha gewinnt. Es ist vergleichbar dem Gefühl, wenn man etwas, das man lange gesucht hat, endlich findet. Viele Menschen zu Buddhas Zeiten und später erlebten diese Beglückung, wenn sie einen Vortrag hörten. Oft bringt jemand am Ende einer Rede des Buddha zum Ausdruck, wie erfüllend es war, so etwas gehört zu haben.

Die Lehre der Wahrheit beglückt, wenn sie verstanden wird. Das entsteht dann, wenn wir erkennen, dass wir auf etwas aufmerksam gemacht werden, was helfen kann und was richtig erscheint. Da beginnt man zu verstehen, was wahres Glück ist und wie es zu erreichen ist. Das Verstehen gibt im Leben eine neue Perspektive und Vertrauen.

In Stille
Während ein Blick auf die Wahrheit ein eher aufgeregtes Glück ermöglicht, geben Vertrauen und Sicherheit ein mehr stilles Glück. Es ist nicht selbstverständlich, in einem Menschenleben solchen Lehren zu begegnen. Eine Zeit wie diese, in der solche Lehren und Lehrer leicht zugänglich sind, ist äußerst selten. Das Bewusstsein, ein solch kostbares Geschenk zu haben, sollte dankbar und glücklich machen.

Was mit einer Ahnung beginnt, sollte mit der echten Erfahrung enden. Im Text wird diese Erfahrung Nibbana, also Nirwana, genannt und bedeutet Erleuchtung, besser gesagt geistiges Erwachen. Dazu gehören auch die tiefen Erlebnisse von Stille und Versenkung in der Meditation, die von außergewöhnlicher Freude und intensiven Glücksgefühlen begleitet werden. In der Meditation ist es möglich, die Gesetze des Lebens zu durchschauen, sich davon zu lösen und die innere Freiheit vom Leiden zu verwirklichen.

„Ein Herz (Geist), das nicht erzittert, wird es vom weltlichen Geschehen getroffen,
das frei von Kummer, fleckenlos und friedvoll – das wahrlich ist das höchste Glück.“

Was es bedeutet: Wer das erreicht hat, der ist immer und überall sicher, der findet unter allen Umständen das Glück, das nicht von den äußeren Umständen abhängt. Im Grunde kann diese höchste Ebene gar nicht mehr als Glück bezeichnet werden, denn sie befindet sich jenseits von Leid und Glück. Ein älterer Mönch erklärte, dass diese Erfahrung, eben weil sie alles übertrifft, als höchstes Glück bezeichnet werden darf.

Eine kleine Anekdote dazu: Einmal kam ein älterer Fürst zum Buddha und war so begeistert von ihm, dass er Mönch wurde. Er folgte ausdauernd den Anweisungen und erfuhr in kurzer Zeit die geistigen Freuden und Glücksgefühle. Danach sah man ihn oft irgendwo stehen und rufen: „Welch ein Glück, welch ein Glück.“ Die anderen Mönche beschwerten sich, weil sie meinten, er preise das weltliche Glück. Der Buddha fragte ihn in der Versammlung, wovon er spräche. Er antwortete: „Nur ein Erwachter weiß, von welcher Freude und Glück ich spreche. Ich kann es nicht in Worte fassen.“ Der Buddha antwortete: „Wer von der wahren Lehre gekostet hat, dessen Geist weilt im Glück.“

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