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Viele Frauen beklagen sich ja, dass Männer nur unzureichend auf ihre Worte, Anfragen und Klagen reagieren. Und dass sie generell schweigsam wären. Ich durfte das Gegenteil erleben.

Kürzlich bei einem Vortrag zum Thema "Gelungener Umgang zwischen Frau und Mann", den ich für eine konfessionelle Bildungsinstitution halte. Normalerweise muss ich dafür früh aufstehen, denn meist werde ich zu so genannten "Frauentreffs" eingeladen. Dabei treffen sich Frauen vorzugsweise am Morgen zum Frühstück, Plaudern und eben Zuhören . Und dass da Männer nicht zur Zielgruppe gehören, versteht sich von selbst. Ich freue mich immer, Teil dieser Zusammenkünfte zu sein, weil ich merke, dass das Thema Frauen wirklich umtreibt.

Ein Beispiel: Eine Frau möchte ihre Gedanken mit ihrem Mann teilen und legt sie ihm in einer mehrminütigen Abhandlung auf den Tisch. Danach möchte sie seine Meinung dazu hören und bekommt nicht mehr als ein "Ja, eh" zu hören.

Ich persönlich habe eine Situation erlebt, dass mein männliches Gegenüber eingeschlafen ist, während ich erzählt habe. Eine andere Frau – Mutter eines vierjährigen Sohnes – machte kürzlich die Erfahrung, dass sie an eine geschlossene Türe geklopft und mit ihm geredet hat, nachdem er sich eingeschlossen hatte. Mehrmalige Versuche, ihn aus dem Zimmer zu holen, fruchteten nicht, weshalb die Türe eingetreten wurde. Auf die Frage, warum er nicht reagiert habe, antwortete der Kleine: "Das Klopfen war so laut, da habe ich mir die Ohren zugehalten."

Gesprächsverweigerung ist also kein Erwachsenen-Phänomen.

Gefühlt müssen Frauen Dinge zehnmal sagen, bevor sie eine Reaktion von ihrem männlichen Gegenüber bekommen. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings nicht.

Die Ursachen für die sporadischen, teilweise zeitverzögerten Antworten sind es schon. Wenn jemand ein Anliegen äußert, etwas fordert oder kritisiert, wird vielfach mit passivem Rückzug, Ablenkung oder Schweigen reagiert. Vielfach steht Überforderung hinter diesem Verhalten. Auch wenn man den falschen Zeitpunkt erwischt, um seinen Standpunkt rüberzubringen, kann dieser als Hintergrundrauschen aufgenommen werden und damit einfach unter den Wahrnehmungstisch fallen.

Das Mobiltelefon mit seinen vielfältigen Ablenkungs- und Belohnungsmechanismen kann das seinige dazu beitragen, Gespräche im schlimmsten Fall zu torpedieren.

Das alles ist vielfach Alltag von Frauen. Und weil sie untereinander viel und gerne erzählen, stößt ihnen oft sauer aus, dass das ausgerechnet mit ihrem Angetrauten oder Partner nicht gelingen mag. Dabei wird gerne vergessen, dass Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren. Frauen nutzen die Sprache zur Beziehungspflege, Männer eher zum Informationsaustausch, zur Statuspflege und Lösungsfindung.

Das zu wissen – und zwar für beide Geschlechter – hilft beim konstruktiven Gespräch.

Bei meinem Vortrag durfte ich zweierlei feststellen: Es war das erste Mal, dass sich mehr Männer als Frauen für das Thema "Gelungene Kommunikation zwischen Frau und Mann" interessierten. Und dass Männern sehr wohl bewusst ist, dass es bei diesem Thema noch einiges zu lernen gilt.

Ein Teilnehmer sagte beispielsweise: "Wir Männer haben nicht zu viel zu erzählen wie Frauen." Das hat mich sehr berührt, denn es entspricht mitnichten meiner persönlichen Erfahrung. Dabei kommt mir allerdings meine journalistische Erfahrung zugute, denn ich stelle meist Fragen, die Männer eben nicht mit einem "Ja, eh" beantworten können. Und daraus haben sich über die Spanne meines Lebens stets sehr interessante Gespräche ergeben. Selbst mein Mann hört von mir Fragen wie "Weißt Du noch, was Du gedacht hast, als Du im Bauch Deiner Mutter warst?".

Zur Erklärung: Mein Mann hat Angst vor Flugzeuglandungen, und um ihn abzulenken, verbringe ich einen Gutteil der Flugzeit damit, mir eine Frage auszudenken, die ihn von dieser Angst ablenkt.

Fragen können Menschen überraschen und sie aus ihrem festgelegten Mindset herausbringen. Und was Männer angeht: Sie mögen es, wenn sich jemand wirklich für sie interessiert. Deshalb sage ich gerne: "Männer sind auch Menschen", was mir bereits viel Anerkennung von Männern eingebracht hat. Denn häufig haben sie das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse konsequent ignoriert werden. Klar, sie werden auch nicht abgefragt, geschweige denn proaktiv geäußert.

Weil Männer das nicht gelernt haben.

Derselbe Mann, der seiner Meinung nach nicht viel zu erzählen hatte, fragte auch, ob man das Reden irgendwo lernen könne. Das machte mich traurig, denn im Grunde sollte das Teil der Erziehungsarbeit bei Buben sein. Ich habe mich mit zwei meiner drei "Leihsöhne" ganz früh bemüht, sie ins Erzählen und Reflektieren zu bekommen. Unterhaltungen mit ihnen als erwachsene Männer sind inzwischen eine sehr erfreuliche Angelegenheit, aus der ich stets neue Erkenntnisse gewinne.

Was im Hintergrund stets mitspielt: das Wohlwollen. Ohne das geht es nicht in der Kommunikation, speziell wenn sie Menschen in Partnerschaften miteinander unterhalten.

Auch das Vertrauen sei nicht zu unterschätzen, wie ein anderer Mann aus der Vortragsrunde anmerkte. Er hat mit seiner Frau zweimal Fortbildungen zu den fünf Sprachen der Liebe besucht – meine Augenbrauen gingen dabei bewundernd nach oben.

Auch ein weiterer Mann kannte diese Sprachen und berichtete von seinen Erfahrungen damit. Hintergrund: Das Konzept der „Fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman besagt, dass Menschen emotionale Zuneigung auf fünf unterschiedliche Weisen ausdrücken und empfangen: durch Lob/Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft oder Zärtlichkeit. Konflikte entstehen oft dann, wenn Partner unterschiedliche "Muttersprachen" sprechen und die Liebesbeweise des anderen deshalb nicht richtig wahrnehmen oder verstehen.

Ja, es gibt sie, diese Männer, die sich gerne über Beziehung, Innenleben und Zweifel unterhalten. Doch die Fragen müssen stimmen, das Wohlwollen muss vorhanden sein und eine Atmosphäre hergestellt sein, in der sie sich wohlfühlen. Und damit unterscheiden sie sich gar nicht so sehr von uns Frauen.

Daran sollten wir denken, wenn wir das nächste Mal eine konstruktive Unterhaltung mit dem anderen Geschlecht führen wollen.

 

Lied zum Text: "Zusammen" – Die Fantastischen Vier feat. Clueso


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Bilder © Unsplash.com

 

Claudia Dabringer

Claudia Dabringer

  Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg mit allem, was zu einer Studentenzeit dazugehört. Mehrjährige Konzentration aufs Radiomachen, bis alles durchexerziert war und das Schreiben wieder im Kopf präsent wurde. Seitdem freie Journalistin, Autorin und Vortragende sowie als Sc...
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