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Es geht so schnell, dass ein Konflikt eskaliert. Jeder kennt das aus seinem eigenen Leben. Und wenn der Konflikt vorbei ist, dann fragt man sich, was da eigentlich passiert ist. Da alles so schnell geht und wir im Konflikt nicht wirklich bei uns sind, ist es sehr schwer, eskalierende Konflikte zu begreifen.

Konflikte gehören zum Leben. Wir können sie nicht vermeiden. Jeder hat schon mal erlebt, wie schrecklich es ist, wenn sie eskalieren. Wie unbegreiflich es dann ist, dass man sich gar nicht mehr verstehen kann und das Gefühl hat, der andere lebt in einer anderen Welt.

In gewisser Weise stimmt das auch, dass der andere dann in einer anderen Welt lebt. Aber wie kommt es dazu? Was passiert mit uns im Konflikt?

Hat man im Kleinen begriffen, wie Konflikte eskalieren, erkennt man das Muster wieder. In den eigenen Konflikten, in gesellschaftlichen Konflikten und in Konflikten, die Staaten miteinander haben.

Der Auslöser ist immer der Gleiche: Angst.

Wenn das Bedürfnis des einen für den anderen bedrohlich ist, kommen wir schnell in eskalierende Konflikte.500mal250 Blog Konflikte Dirk c DirkMeints

Wie Gefühle aufeinander treffen

Unsere Gefühle wechseln ständig, je nachdem, mit wem wir in Beziehung gehen. Das ist ganz normal. Einfach, weil wir soziale Wesen sind, die im Kontakt ständig in die Gefühle der anderen kommen. Wenn es uns mit jemandem gut geht, können wir sein Gefühl in uns wahrnehmen, ohne uns bedroht zu fühlen. Das ist tatsächlich eine biologische Funktion. Alle Säugetiere haben diese Fähigkeit. Dann können wir sein Bedürfnis auch anerkennen, wenn es unserem widerspricht.

Diese Fähigkeit brauchen wir, um mitfühlend sein zu können. Um unser Gegenüber wirklich zu verstehen und auch um herzlich mit ihm verbunden zu sein. In guter Kommunikation schwingen wir uns aufeinander ein. Zwei Menschen, die in guter Resonanz miteinander sind, sind in den gleichen Gefühlen. Ihre Nervensysteme synchronisieren sich.

Wo immer das gelingt, sind wir in angenehmen Gefühlen. In so einer Begegnung sind wir gleichzeitig bei uns und beim anderen. Es entsteht ein Wir-Gefühl.

Was passiert im Konflikt?

Das Gegenteil passiert im Konflikt. Im Konflikt macht mir das, was der andere tut, Angst. Und das löst sofort Anspannung aus. Mit dieser Anspannung endet die Fähigkeit zu Resonanz, Mitgefühl und Herzlichkeit. In der Anspannung wird nicht nur mein Körper eng, ich verenge mich gleichzeitig emotional – oft auf „ein“ Gefühl, das sich in mir Raum nimmt, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Wut, Angst, Ohnmacht – ein Gefühl macht sich in mir breit. Ich verschwinde sozusagen in diesem Gefühl.

Das Problem ist, dass alle anderen Gefühle, die auch zu mir gehören, mir in dem Moment nicht mehr zugänglich sind. Ich kann sie nicht mehr verkörpern.

Und so kommt es in der Angst und im Konflikt zu einem großen Selbstverlust. Ich verliere mich. Nicht umsonst sagen wir, dass wir wieder zu uns kommen, wenn der Konflikt lang genug vorbei ist. Das steht ganz einfach dafür, dass sich unser Körper entspannt und ich dadurch auch wieder andere Gefühle verkörpern kann ...

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Wer zum Thema „Wie Konflikte eskalieren“ gerne weiterlesen möchte, findet den Beitrag im Blog von Dirk Meints in voller Länge unter diesem Link.

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Dirk Meints

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Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Warum sind wir wie wir sind? Wie ist Veränderung möglich? Das sind meine ganz persönlichen Lebensfragen, denen ich schon immer auf der Spur bin. Heute arbeite ich als Achtsamkeitslehrer und Psychologischer Berater in Wien. Für die Klärung mein...
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