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Zerrüttete Beziehungen und Missbrauchsmuster bleiben ungelöst und prägen sich der Familienidentität als immer weiter verstärkte implizite Botschaften ein.

Kinder, die in einen solchen intergenerationalen Trauma-Zusammenhang hineingeboren werden, haben oft mit einem hohen Armuts- oder Missbrauchsrisiko zu kämpfen, sind anfällig für bestimmte körperliche und seelische Erkrankungen, oder tun sich schwer, sich ein Leben aufzubauen, in dem sie einen Sinn und Zweck erkennen.

Viele Frauen, die als Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch im Rahmen eines Generationstraumas geworden sind, müssen irgendwann fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass ihre eigenen Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Sie leben in dem Glauben, gerade sie seien doch sicher in der Lage, die Anzeichen eines solchen Missbrauchs so früh zu erkennen, dass sie ihn noch verhindern könnten.

Aber generationsübergreifender Missbrauch schärft nicht etwa die Wahrnehmung, sondern begünstigt Dissoziation, Beziehungslosigkeit und Schweigen. Diese Generationen übergreifenden Misshandlungs-Zyklen sind auch an Menschen zu beobachten, die als Kinder vernachlässigt oder geschlagen wurden und später ihre eigenen Kinder ebenso behandeln.

„Viele Traumatisierte suchen sich geradezu zwanghaft immer wieder Umstände, die an das ursprüngliche Trauma erinnern“, konstatiert der niederländische Psychiater und Autor Bessel van der Kolk. „Bei diesen unbeabsichtigten Neuinszenierungen wird kaum je der Zusammenhang mit früheren Erlebnissen erkannt.“ Das mittlerweile sehr umfangreiche Forschungsmaterial lässt keinen Zweifel daran, dass es dieses Nachspielen einer früheren Opfersituation tatsächlich gibt und Betroffene in der Neuauflage die Rolle des Opfers oder die des Täters spielen. Von diesem unbewussten Nachspielen geht sehr viel Gewalt in unserer Gesellschaft aus.

Trauma

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Header/Teaser © unsplash

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