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Dies sagt Mark Twain in einem schmalen Buch des Insel-Verlages – ihr kennt sie, diese edlen, teuren Ausgaben. Allerdings heißt der vollständige Satz: „Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.“

Ach, könnten wir doch beim Denken, beim Sprechen auch die falschen Wörter weglassen, könnten wir erkennen, welche falsch und richtig sind, könnten wir genügend Zwischenräume einlegen, lassen, wagen und ertragen, dass uns der richtige Sound aufgehen würde! Denn dass er uns aufgeht, ist sicher. Wir müssen ihm nur und uns selber eine Chance geben. Wie macht man das? Und was handelt man sich dabei ein?

Nun, Schreiben ist deshalb eine kontemplative Tätigkeit, weil sie unser Denken verlangsamt. Und warum soll das gut sein? Weil dieses Rasen im Kopf, dieser springende Affe, dieser Hang zum Multitasking und zum nirgendwo ganz anwesend sein, uns irre macht. Das Ergebnis sehen wir als Welt vor uns. Alles, was wir jedoch in der Stille und aus der Stille schöpfen, selbst das Wort, das unsere traurige Geschichte voller Gewalt und Selbsthass erzählt, dient der Veredelung, der Weihung, der Heilung.

Wörter

Kunst verlangsamt uns immer, verbindet uns immer, mit der Seele, der Weltenseele, dem Universum, der inneren Natur, ganz gleich, wie wir es nennen wollen. Der Schöpfungsakt ist ein Geheimnis, aber ein offenes, für die, die sehen können. Deswegen sind alle Maßnahmen, uns das Schöpferische abzunehmen, es in die Roboter, in die lineare Zeit hineinzuverlegen, lächerlich und zum Scheitern verdammt. Die falschen Wörter weglassen, das bedeutet also, diejenigen, die Klang und Nachklang des Wortes verstopfen, verbiegen, die aus einer anderen Quelle stammen als dem puren Sein.

Und das kann beängstigend sein, weil wir nicht (mehr) kontrollieren, was da auf dem Papier steht, nicht mehr richten, und Zensuren geben, ist auch richten. Wir vertrauen uns dem Fluss an, wenn wir zum Schreiben bestimmt sind, und schlüpfen mühelos in die für uns gedachten Rollen. Mal sind wir Boot und Beobachterin, mal Schwimmende und bald Ertrinkende, mal Wassertropfen und mal Wasserflöhe. Auch Bäume, Otter, Wolken und ein alter Stiefel, stinkend auf dem Grund, auch sie verlangen Gehör.

Ein falsches Wort kann nur aus anderer Quelle stammen, vielleicht aus Ruhmsucht, Angst? Nein, wir widerstehen und bezeugen treu, was ist. Dann ist das Schreiben leicht, auch wenn es schwer ist.

Weitere Beiträge von Monika Winkelmann finden Sie hier.   

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Monika Winkelmann

Monika Winkelmann

Monika Winkelmann, geboren 1952, Mutter einer erwachsenen Tochter, geschieden seit 2019, hat 1980 mit 28 Jahren ihr erstes Meditationswochenende in Hamburg besucht. Diese tiefgreifende Erfahrung sowie ihr Leben als Alleinerziehende der Tochter Lisa, geb. 1984,  bewirkten, dass sie viele Jahre a...
Kommentare  
# Beate Zwochner 2021-03-05 10:01
Empfinde ich auch so
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# Matthias 2021-03-06 14:55
Das ist Kunst.
Sprachkunst!
Lieben Dank
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