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Ja, natürlich ist er gut, man braucht sich doch nur die Neugeborenen, die ganz jungen und älteren Kinder anzuschauen und sie tief in unser Herz zu lassen.

So, genau so waren sie alle einmal: Im Mutterleib mehr oder minder geborgen, mehr oder minder gewollt, geboren mit oder ohne Komplikationen, gesund oder mit einer Besonderheit ausgestattet, freudig oder weniger freudig begrüßt.

An diesen Nuancen und Abstufungen erkennen wir, dass es nicht unerheblich ist, in welcher Atmosphäre ein Kind empfangen, ausgetragen und geboren wurde, in welche Atmosphäre es als „Familienzuwachs“ hineinkam.

Und hier zeigen sich schon große Unterschiede: Die einen überleben in fast rätselhaft robuster Weise die ersten und weiteren Lebensumstände, obwohl sie zum Beispiel im Brutkasten liegen mussten, mit einem Naturell ausgestattet, das man sich kaum erklären kann. Während andere unter scheinbar weniger harten Umständen leiden und wie Pflanzen, die in unpassender Erde wurzeln, leicht blass und antriebslos werden und nach Umsorgtwerden schreien.
Ganz geht die Idee von der Gleichung, dass die DNA, die Umstände, die Konditionierungen den Menschen formen, also nicht auf. Doch was ich beobachten konnte, ist, dass Babys und Kinder eine Ansprechbarkeit auf liebevolle Zuwendung haben, eine Bereitschaft zu vertrauen und zu leuchten mit Einfallsreichtum und Anhänglichkeit, die ihr Gutsein und Gutseinwollen unmittelbar ausdrücken. Kinder müssen schon sehr stark misshandelt worden sein, wie z. B. in Waisenhäusern der allererbärmlichsten Qualität bezeugt worden ist, dass sie sich vom Leben und der liebevoll ausgestreckten Hand abwenden. Leider gibt es auch das. Doch mit viel Geduld und Einfallsreichtum vonseiten der Erwachsenen ließe sich zerstörtes Vertrauen sehr wahrscheinlich aufbauen.

Gut

Diese Kinder leben in uns Erwachsenen und damit in allen Erwachsenen weiter. Nackte Angst vor Vernichtung hat einen Panzer um uns gelegt, um unser Herz und um unser Gesicht. Ich beobachte, wenn wir unsere Verwundbarkeit, unsere Sehnsucht, unsere Verletztheit und Enttäuschung wahrnehmen und eingestehen, wie wir uns wieder öffnen und die Perle sichtbar wird.

Indem wir uns zu lieben trauen – und dies ist ein weitaus höheres Risiko als in Furcht stecken zu bleiben –, vertrauen wir auf die schimmernde Perle im Gegenüber. Diese könnten wir aber gar nicht wahrnehmen ohne das tief verborgene Wissen und die tief verborgene Perle in uns selber. Wie geheimnisvoll und erfüllend, wenn wir dann sogar einem Menschen, den wir fürchten, ein Lächeln entlocken können!

Das Lächeln bedeutet: Ich glaube an den Strom zwischen uns und vertraue ihm, dem feinen Strom zwischen unseren beiden Perlen.

  Weitere Beiträge von Monika Winkelmann finden Sie hier.

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