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„Helfen, das fühlt sich gut an“ - warum sich Michaela Klein um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert.

Es ist mittlerweile sieben Jahren her, aber ich erinnere mich noch genau daran, dass ich 2012 über Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen nachgedacht habe. Die Firmen Almdudler und Radatz verbindet nicht nur eine lange persönliche Freundschaft, sondern auch die Tatsache, dass wir als österreichische Familienunternehmen auch außerhalb unserer Betriebe ein Zeichen zu Werten wie Menschlichkeit, Fairness und Verantwortung setzen wollten. Darüber redeten wir. Damals hatten wir einen Hof in Prigglitz gepachtet, der uns für Feriencamps geeignet schien. Dort verbrachten wir ein paar Tage mit Buben aus Syrien und Afghanistan. Genau so etwas hatten wir gesucht.

Als Unternehmer wussten wir: Wenn das nachhaltig funktionieren soll, brauchen wir Struktur. Wir gründeten einen Verein. Warum Tralalobe? Ganz ehrlich, der Name ist der Autokorrekturfunktion meines Handys geschuldet. In irgendeiner Nachricht hatte ich ‚treatment‘ geschrieben, das wurde in ‚tralalobe‘ ausgebessert. Schon bald war es ein geflügeltes Wort, weil es fröhlich klingt, glaube ich, und zu dem passte, was wir vorhatten: Buben, die Schreckliches erlebt hatten, ein Gefühl des Willkommenseins zu vermitteln.

Mein Anliegen
Als 2015 die große Flüchtlingswelle nach Österreich kam, hatten wir plötzlich viel mehr als nur Feriencamps zu organisieren. Wir hatten bereits Kontakt zur Diakonie, die viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Mödling betreute. Dort arbeitete Andreas Diendorfer. Er ist Sozialarbeiter und Profi, wenn es um Wohnen, Geld und Schule für minderjährige Flüchtlinge geht. Unsere Aufgabe war und ist es, die Finanzierung für all jene Dinge des Lebens aufzustellen, für die der Staat keine Sorge trägt, also die Renovierung von Wohnräumen zum Beispiel, für Dinge, die die Buben dringend in der Schule brauchen, Computer zum Beispiel, und Hunderte andere Sachen, an die man nicht denkt, wenn man sie sich leisten kann. Und wir kümmern uns auch um die Jugendlichen, wenn sie über 18 Jahre sind und aus den Flüchtlingsunterkünften für Minderjährige ausziehen müssen. Wir organisieren Wohngemeinschaften, richten sie ein und tragen Sorge, dass wir für die Burschen bei Problemen Ansprechpersonen bleiben. Wir nutzen aber auch unsere Netzwerke, sind ständig auf der Suche nach Ausbildungsplätzen und Lehrstellen – ohne diese Grundsäulen ist Integration schließlich gar nicht möglich.

Aus einer kleinen Idee ist ein wirklich großes Projekt geworden. Andreas Diendorfer ist heute der Geschäftsführer von Tralalobe. Wir betreuen Flüchtlinge an 14 Standorten im Bezirk Mödling und in Wien. 40 fixe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich um 58 Minderjährige und 45 junge Erwachsene, zwei Drittel von ihnen dürfen in Österreich bleiben, die anderen sind im laufenden Asylverfahren. Unser jüngstes Projekt ist das Tralalobe-Haus in der Josefstadt. In diesem seit Jahren leerstehenden Gebäude am Gürtel haben wir Wohngemeinschaften für weitere 60 Menschen eingerichtet. Unten im Haus wird es ‚Das kleine Paradies‘ geben, ein vom Verein wirtschaftlich unabhängiges Restaurant.

Wer daran interessiert ist zu helfen, kann mitmachen. Mit Spenden, mit Kontakten für Lehrstellen oder einfach nur mit Zeit oder Ideen. Eines ist sicher: Anderen zu helfen fühlt sich gut an. Wir haben unser Projekt für die Nachhaltigkeit definitiv gefunden.

Michaela Klein arbeitet im Familienbetrieb von Almdudler, ist Gastronomin (Unger und Klein) und Präsidentin des gemeinnützigen Vereins Tralalobe, den sie zusammen mit ihrem Bruder Thomas Klein, Jacky Radatz, Thomas Zedrosser und Helmuth Unger gegründet hat. Wer spenden oder helfen will: Alle Informationen zu Projekten auf www.tralalobe.at.
 
Foto © Roland Unger
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