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Viele Buddhisten wünschen sich einen buddhistischen Religionsunterricht in der Schule. Aber ist das wirklich eine so gute Idee? Ich denke nicht.

Kürzlich las ich, dass es in Österreich eine erste konfessionell-buddhistische Schule gibt. Anders als in Deutschland oder der Schweiz ist Buddhismus in Österreich als Religion staatlich anerkannt. Das schafft die Voraussetzung für eine derartige Schule. Eine bestehende Privatschule hatte sich um diesen Status beworben und den Zuschlag erhalten. Sie vertrete zutiefst buddhistische Haltungen, so Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR). Die Anerkennung hat finanzielle Vorteile: Jetzt fließt Geld vom Staat. Deshalb soll das Schulgeld, das die Eltern zahlen, deutlich gesenkt werden.

Meine erste Reaktion war Unbehagen, und die Überlegungen führten mich gleich darauf zu einem verwandten Thema: Religionsunterricht in Schulen. Die Regeln für den Religionsunterricht in der Schweiz sehen in jedem Kanton anders aus. In Deutschland ist Bildungspolitik ebenfalls Ländersache. Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) setzt sich für buddhistischen Unterricht an Schulen ein. Ich habe meine Zweifel, ob es eine gute Idee ist, Kindern Religionen getrennt nach deren eigener Religion und Konfession nahezubringen. Muss der Staat nicht weltanschaulich neutral handeln? Verstößt es nicht gegen die Würde des Kindes, es religiös zu indoktrinieren? Sollte das Nahebringen von Religion nicht mindestens Privatsache sein?

Buddhismus


Die Befürworter argumentieren vor allem, das Christentum sei fundamentaler Bestandteil unserer Kultur, der Kindern vermittelt werden müsse. Es ist in Deutschland die Regel, dass christliche Veranstaltungen in den Schulalltag integriert werden, Gottesdienste zum Schuljahresbeginn und -ende etwa. Man hat als Eltern dann zwar das Recht auf eine Ersatzbetreuung, aber die kann aus Personalmangel oft nicht angeboten werden. Und für die Kinder fühlt es sich wie eine Strafarbeit an. Die anderen dürfen in der Kirche schöne Lieder singen, man selbst muss in die langweilige Betreuung. Genauso verhält es sich, wenn die Kinder nicht am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen, weshalb sich mein Jüngster in den ersten beiden Schuljahren, obwohl nicht getauft, gewünscht hatte, zum Religionsunterricht zu gehen. Auch weil alle seine Freunde dort waren. Der indirekte Zwang, Veranstaltungen der vorherrschenden Religion zu besuchen, ist in meinen Augen bereits strukturelle Gewalt.

Ich bin zudem der festen Überzeugung, dass getrennter Religionsunterricht Intoleranz fördert. Man kennt dann seine eigene Religion, nicht aber die des Nachbarn. Ich wünsche mir einen gemeinsamen Ethikunterricht, in dem alle Religionen unparteiisch behandelt werden – Religionswissenschaft statt Religion in gewisser Weise. Ein Imam berichtet vom Muslimsein, ein Rabbi vom Judentum, ein Pfarrer erzählt von Jesus. Ein Dharmalehrer erklärt den Kindern, was Achtsamkeit bedeutet, und zeigt ihnen, wie man meditiert. Man besucht gemeinsam Moschee, Synagoge, Kirche und einen buddhistischen Tempel. Das würde gegenseitiges Verständnis fördern und über den Spielplatz hinaus bis ins Erwachsenenalter Toleranz stärken und so gesellschaftlichen Frieden sichern.

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Kommentare  
# Adalbert Batminkh 2020-06-24 13:34
In Österreich kann man wählen, welchen Religionsunterricht das Kind besuchen soll und wenn nicht, dann gibt es Erhikunterricht. Weil im Islamunterricht extreme Ansichten vertreten wurden findet er nun in der Schule statt und einmal im Monat in Mosche um zur rituellen Unterweisung. Tochter und Enkel fanden den Buddhismusunterricht in der Volksschule fad, meiner Tochter in der AHS gefällt er nun. Mit 14jährigen kann man meditieren usw. Ihre Idee von allen etwas zu bringen, finde ich sehr gut, wird 6jährigen wenig bringen und dogmatische Eltern sehen das als Teufelszeug.
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