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Achtsamkeit & Meditation

Philosophie wird oft als überflüssig abgetan, doch sie birgt ein erstaunliches Weisheitswissen, das universell und unvergänglich ist. Antike Denker wie Konfuzius, Buddha oder Seneca zeigen uns auch heute den Weg zu einem glücklichen und ausgeglichenen Leben.

Häufig hört man, die „Liebe zur Weisheit“, die Philosophie, sei überflüssig, da sie es in 2.500 Jahren nicht vermocht habe, bei den großen Fragen des Lebens zu klaren und nicht bezweifelbaren Antworten zu kommen. Sie habe die Weisheit fleißig gesucht, aber nie gefunden.

Das ist nicht richtig.

Tatsächlich hat die Philosophie seit ihrer Entstehung in Orient und Okzident ein reiches Weisheitswissen hervorgebracht. Im Bereich der praktischen Philosophie hat sie schon sehr früh wesentliche Antworten gefunden. Hinsichtlich der Frage nach dem gelingenden Leben bestand zudem eine verblüffende Übereinstimmung über alle Grenzen, Kulturen, religiösen und metaphysischen Vorstellungen hinweg. Der Weg zu einem glücklichen Leben war schon sehr früh geebnet.

Das Problem war und ist, dass nur Einzelne diesen Weg beschreiten. Die Masse hat die Botschaft entweder nicht gehört oder ist nicht imstande, sie den veränderten Zeitumständen anzupassen und sich anzueignen oder sie gegen die eigenen inneren Widerstände kraftvoll, entschlossen und beharrlich durchzusetzen. „Maß und Mitte bewahren – das ist die höchste Tugend“, meinte Konfuzius, „sie ist selten geworden, seit Langem schon“, und an anderer Stelle: „Die Dauer ist die Art des Weisen.“ Nur ein konsequentes Einüben überwindet die eigene Trägheit und Bequemlichkeit.

Die Weisheit ist uralt, nur der Irrtum ist immer wieder neu, bemerkte der Kulturhistoriker Will Durant. Konfuzius, der im 6. Jahrhundert v. u. Z. eine der wirkmächtigsten Weisheitslehren entwickelte, bekannte: „Ich schaffe nichts Neues. Ich liebe das Alte und übermittle es nur.“ Aristoteles vertrat eine ähnliche Auffassung: „Jede Philosophie ist schon oftmals erfunden und wieder verloren worden.“

So kommt es in der Geistesgeschichte regelmäßig zu einer Wiederentdeckung alter Weisheiten.

Die Griechen fanden sie bei den alten Ägyptern, die Römer bei den Griechen, die Renaissance in der Antike, und auch die Spätmoderne besinnt sich zunehmend wieder auf den Nutzen der griechisch-römischen praktischen Philosophie. Eine der erfolgreichsten Richtungen der Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie, verdankt ihre Entstehung der antiken Philosophie. Sie beruft sich auf Lehren der Stoiker. Eine verwandte Richtung nennt sich ausdrücklich „Weisheitstherapie“ nach Baumann/Linden. Die Popularität von etwa Buddhismus, Yoga, Ayurveda oder Zen verdankt sich nicht zuletzt dem uralten Weisheitswissen, das in ihnen weiterlebt.

Die Wirksamkeit überlieferten Weisheitswissens mag daran liegen, dass es auf die bedeutendsten Denker der Menschheitsgeschichte zurückgeht wie etwa Konfuzius, Buddha, Platon, Aristoteles oder Seneca. Es ist undogmatisch und, wenn man es zeitgemäß aufbereitet, für jeden verständlich und plausibel. Schließlich spricht für den hohen Wahrheitsgehalt dieses Wissens seine Universalität und Unvergänglichkeit.

Seit ihrer Entstehung in Orient und Okzident hat die Philosophie ein reiches Weisheitswissen hervorgebracht

Jede gut sortierte Buchhandlung verkauft heute die Bücher der genannten Klassiker.

Hier seien einige wenige Beispiele angeführt, was man von der Antike lernen kann. Als Konfuzius einmal gebeten wurde, die wichtigste Maxime seiner Lehre in wenigen Worten zusammenzufassen, erwiderte er: „Treue gegen sich und Güte gegen andere.“ Von Sokrates ist der Satz überliefert: „Sich selbst betrügen ist von allem das Schlimmste.“

Was hier wie in vielen gleichlautenden Weisheiten aus der Antike zum Ausdruck kommt, ist die Feststellung, dass man nur dann ein glückliches Leben führen kann, wenn man seine Mitte gefunden hat und darauf achtet, dass das eigene Denken, Wollen, Handeln und Sprechen übereinstimmt, wahrhaftig und authentisch ist.

Das meiste Leid der Menschen rührt daher, dass sie nicht das Leben führen, das sie eigentlich führen wollen. Dies aber beruht auf mangelnder Treue sich selbst gegenüber.


Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 131: „Alte Weisheit neu entdeckt"

Vom Alten lernen


Die Seelenruhe, die als eine Grundstimmung heiterer Gelassenheit aufgefasst werden kann, war in der Antike in Ost und West ein Synonym für ein glückliches Leben. „Das höchste Glück des menschlichen Lebens liegt in der Seelenruhe“, sagt der griechische Philosoph Epikur. Für Seneca war „innere Ruhe die beste Medizin gegen alle Krankheiten.“

Um diesen Zustand zu erreichen, wurde empfohlen, sich auf die inneren Werte und den inneren Reichtum zu konzentrieren, dagegen alle äußeren Güter, Ziele und Verhältnisse zu relativieren.

„Glück und Unglück liegen in der Seele, nicht im äußeren Besitz“, lesen wir bei dem griechischen Philosophen Demokrit. „Was ist mehr wert“, fragt Laotse, „die Person oder der Besitz?“ Je weniger man an äußeren Gütern hängt, umso gelassener kann man mit Schicksalsschlägen und dem Wandel der äußeren Verhältnisse umgehen. „Das Schicksal hat keine langen Arme“, sagt Seneca, „es überwältigt niemanden, der sich nicht an es klammert.“

Wer ein glückliches Leben führen möchte, der sollte auf seine Gedanken, Vorstellungen und Glaubenssätze achten. „Du wirst zu dem, was im Denken herrscht“, sagt Buddha. Bei Marc Aurel heißt es: „Die Seele nimmt die Farbe deiner Vorstellungen an.“ Häufig sind die eigenen Vorstellungen die Ursache von seelischem Leid.

Wer etwa glaubt, nicht gut genug zu sein, nährt damit nicht nur einen leidvollen inneren Zwiespalt, sondern setzt sich auch unter enormen Druck, im Äußeren stets erfolgreich und von allen geliebt zu werden. Das wird ihm nicht gelingen, wohl aber auf Dauer krank machen.

Wer gut leben möchte, sollte leidvolle Glaubenssätze in sich erkennen und durch solche ersetzen, die ihm dauerhaft guttun. „Im Gebrauch der Vorstellungen liegt der Seelenfrieden, die Freiheit, das Wohlbefinden und der gute Fluss des Lebens“, sagt der Stoiker Musonius Rufus.

„Wenn du Anstoß an dem Verhalten eines anderen nimmst, wende deinen Blick in das eigene Innere und prüfe, ob du nicht ähnliche Fehler hast oder hattest Dann wird dein Zorn verfliegen.“ Der Ausspruch stammt von dem Philosophenkaiser Marc Aurel.

Seitdem ich ihn eingeübt habe, ärgere ich mich nicht mehr über andere Menschen. Ich habe mir abgewöhnt, Menschen zu verurteilen. Wenn sie etwas Schlechtes tun oder sagen, kritisiere ich sie, aber über den Menschen als solchen urteile ich nicht.

Seitdem habe ich Frieden mit mir und meinen Mitmenschen geschlossen, enthalte mich jeglichen persönlichen Angriffs und genieße ein Leben ohne Aggression. „Der Weise kennt keinen Streit“, sagt Konfuzius.

 

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Dr. Albert Kitzler

Dr. Albert Kitzler

Dr. Albert Kitzler, deutscher Philosoph, ist Gründer und Leiter von „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit“. Er hält Vorträge, Seminare, philosophische Urlaube, berät Unternehmen und Einzelpersonen und versendet per täglichem, kostenlosem Newsletter kommentierte „Worte der ...
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