Achtsamkeit & Meditation

Sich aus der Komfortzone ins Ungewisse zu wagen erzeugt innere Aufregung – sie kann sich leicht zu Angst verdichten.

Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten. Wir sind aufgeregt, wenn wir in ein fremdes Land reisen, wenn wir ein großes Fest veranstalten, wenn wir eine Bühne betreten. Das ist völlig normal. Schwierig wird es dadurch, dass wir dieses Gefühl nicht haben wollen. Angst und Aufregung bewerten die meisten als unangenehm. Wir wollen solche Gefühle möglichst schnell wieder loswerden. Dadurch baut sich Druck – Angst und Gegendruck –, Nichthabenwollen in uns auf, in einer Spirale, die bis hin zur Panik führt. Wir vermeiden diese Eskalation, indem wir den inneren Raum mit Akzeptanz und Wohlwollen vergrößern. Die Angst löst sich auf, wenn sie sich verstanden und angenommen fühlt, wenn wir mit ihr sein können, ohne uns von ihr beherrschen zu lassen und ohne gegen sie anzukämpfen.

Gefühle sind wie kleine Kinder. Sie wünschen sich Aufmerksamkeit. Wenn unser Herz sich bedrängt fühlt, die Knie weich werden und der Atem stockt, sollten wir die Signale des Körpers erhören und uns fragen: Welches Gefühl steckt dahinter? Manchmal erlaubt die Situation das nicht sofort, denn unser Engagement ist vielleicht gerade für ganz andere Dinge gefordert. Aber wenn Angst oder ein anderes schwieriges Gefühl uns in unpassenden Situationen überfällt, können wir insgeheim zum Gefühl sagen: „Keine Sorge, ich nehme mir demnächst Zeit für dich. Ich möchte dich verstehen. Du kannst auch gerne bleiben, musst dich nicht verziehen. Ich schenke nur jetzt im Moment den Dingen meine Aufmerksamkeit, die aktuell gefordert sind. Hab’ bitte noch etwas Geduld mit mir.“ Zusätzlich braucht es die Bereitschaft, eine Weile mit dem unangenehmen Gefühl auszuharren. Wenn wir uns dabei gut zureden, die Füße auf dem Boden spüren, ruhig weiteratmen und die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Aufgabe richten, dann wird es uns nicht umbringen.

Wohlwollen
Später, wenn wir Zeit haben, uns entspannen und vielleicht sogar meditieren können, dann fragen wir uns: Wie war das heute mit dem schwierigen Gefühl? In welchem Moment wurde das Gefühl im Körper ausgelöst? Welche Bilder und Gedanken haben es begleitet? Wann verschwand es wieder? Und wenn ich mich jetzt daran erinnere, ist mir dann zum Weinen zumute? Werde ich wütend? Brauche ich Trost? Was sagt mein Körper jetzt? Wie kann ich in diesem Moment am besten für mich sorgen?

Buddha hat einst den Mönchen, die Angst vor bösen Geistern hatten, die Metta-Meditation empfohlen. Sie sollten ihr Wohlwollen genau dorthin schicken, wovor sie sich fürchteten. Und sie sollten sich selbst in Liebe einhüllen. Wenn wir uns in Momenten der Angst besänftigen („Möge ich mich sicher und geborgen fühlen.“), dann können wir die beschützende Wirkung der Metta-Meditation erleben und das Unangenehme aus der Angst herausfiltern, denn dann ist sie einfach ein Gefühl, das kommt und geht – wie jedes andere auch.

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