Hier finden Sie einen Auszug von "In Resonanz treten" von Peter Rörsch, aus Ursache\Wirkung №. 136: „Liebe & Loslassen".
Sterben, Tod und Trauer begegnen jedem Menschen unausweichlich. Sich vom Leid des anderen berühren zu lassen und für ihn da zu sein, diese Resonanz ist für Peter Rörsch wichtig. Der Trauerbegleiter berichtet aus seiner langjährigen Erfahrung.
Wie sehr einen Menschen Tod und Trauer treffen, kann sehr unterschiedlich sein. Eine Todesanzeige in der Presse erinnert vielleicht nur an eine längst vergessene, ehemalige Bekannte aus der Schulzeit. Liegt jedoch ein Mensch im Sterben, mit dem man eng verbunden ist, wie die eigene Mutter oder der Ehemann, dann beginnen die Begleitung und die Trauer sehr früh. Denn man ahnt oder weiß, dass der Abschied sich ankündigt. Dieser Abschied betrifft sowohl den Sterbenden als auch seine Angehörigen.
Hier sind wir bereits mitten in der Begleitung. Unter Begleitung versteht man zunächst etwas, was alle können, nämlich das Dabeisein und Dabeibleiben. Im konkreten Fall bedeutet das, es auszuhalten beim Sterbenden und die Begleitung nicht an andere abzugeben. Beim Dabeibleiben entsteht etwas sehr Wertvolles zwischen Menschen: eine besondere Art der Zuneigung, die man auch Liebe nennen darf.
Einem geliebten Menschen in der letzten Phase seines Lebens beizustehen, ist für viele Menschen schwierig. Für die Begleitpersonen kann es hilfreich sein, die verschiedenen Sterbephasen zu kennen, um besser zu verstehen, was der andere Mensch erlebt, welche Gefühle in ihm aufkommen können. So spricht die bekannte Schweizer Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross von fünf Stadien und nennt sie Nicht-Wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Zustimmung.
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Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 136: „Liebe & Loslassen"
Die Herausforderung in der Begleitung Sterbender und Trauernder besteht vor allem darin, sich selbst zurückzunehmen und nicht zu meinen, die Lösung zu kennen, und sie dann sogar noch auszusprechen, sondern der begleiteten Person zu vertrauen. Sie weiß am besten, was ihr gut tut. Die Figur der Momo in Michael Endes gleichnamigem Roman ist für das Zuhören ein sehr passendes Beispiel.
„Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein. Sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme … Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.“
Zuhören heißt also vor allem, den anderen erzählen zu lassen und ihn nicht zu unterbrechen. Dadurch wird die Beziehung gefestigt und Nähe ermöglicht. Im Idealfall findet der Erzählende eine eigene Lösung. Auf keinen Fall helfen verstandesmäßige Argumente, denn Trauernde und Sterbende befinden sich in ihrer eigenen Welt, sie sind von Gefühlen beherrscht und deshalb Argumenten wenig zugänglich.
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