Hier finden Sie einen Auszug von "Reife Liebe statt emotionaler Abhängigkeit" von Gert Kowarowsky, aus Ursache\Wirkung №. 136: „Liebe & Loslassen".
Viele Liebesbeziehungen sind geprägt von emotionalen Abhängigkeiten und den damit einhergehenden Schmerzen und Komplikationen. Gert Kowarowsky beschreibt einen Weg, wie man zu einer reifen Liebe finden kann, die auf innerer Fülle statt auf Mangel basiert.
Emotional abhängig fühlen wir uns immer dann, wenn wir glauben, dass das innere Erleben von Fülle nur über etwas Äußeres erreichbar ist: über einen Menschen, eine Aufgabe, eine Tätigkeit, eine Umgebung oder eine bestimmte Situation. Wir erinnern uns an Momente, in denen wir uns weit, lebendig, verbunden, glücklich oder liebend gefühlt haben, und verknüpfen dieses innere Erleben nachträglich mit dem äußeren Anlass. So entsteht die Überzeugung: Ohne dieses Gegenüber, ohne diese Tätigkeit, ohne diese Situation kann ich diese Fülle nicht mehr erfahren.
Watzlawick hat es in seiner berühmten Anleitung zum Unglücklichsein auf zwei Formeln gebracht, die Unglück garantieren: „Alles nichts – nur das!“ und „Alles, nur das nicht!“
Wenn für einen Menschen alles in seinem Leben unwichtig, ja nichts ist, dann ist er von diesem Einen, das für ihn alles ist, abhängig. Und wenn diese Abhängigkeit besteht, wird der Preis hoch sein, den er zu zahlen hat, um dieses Eine auf keinen Fall aufgeben zu müssen: In der Bereitschaft, alles, alles, alles zu ertragen, um dieses Eine, diese vermeintliche Garantie für sein Lebensglück, zu behalten, entscheidet er sich dafür, im Unglück zu leben.
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Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 136: „Liebe & Loslassen"
Besonders in Liebesbeziehungen wird diese Dynamik sichtbar. Dort erscheint es oft so, als sei das Leben ohne den anderen kaum möglich. Der andere wird zur Quelle, zum Garanten von Sinn, Glück, Lebendigkeit und innerer Wärme. Was dabei übersehen wird, ist etwas Subtiles und Entscheidendes: Was wir im Kontakt mit dem anderen erleben, ist nicht der andere, sondern unser eigenes inneres Erleben in Resonanz mit dem anderen.
In diesem Sinne gilt der irritierende, aber befreiende Satz: „All love is directed towards the own self.“ Nicht im nar zisstischen Sinn, sondern im existenziellen: Jede Liebe richtet sich auf das Erleben von Lebendigkeit, Weite, Sinn und Verbundenheit im eigenen Inneren.
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