Dr. Mark Benecke ist ein deutscher Kriminalbiologe, spezialisiert auf forensische Entomologie. Er ist als Sachverständiger und Ausbilder tätig sowie als Autor.
Zu den Themen Tierwohl, Klima und Veganismus ist Mark Benecke stark engagiert – und kompromisslos: Er lebt vegan, um Umwelt und Tiere zu schützen. Benecke betont die Bedeutung der Artenvielfalt für das Ökosystem. Er ist Kritiker der industriellen Massentierhaltung, in der er eine der Hauptursachen für Umweltprobleme und Klimawandel sieht.
Mark Benecke spricht sich für die drastische Reduzierung von Konsum aus, insbesondere tierischer Produkte und aller kurzlebigen Waren. Er appelliert dringend, nachhaltige Lebensweisen sofort umzusetzen.
U\W: Sie sind vor allem als Kriminalbiologe bekannt. Was hat Sie zu Ihrem Engagement für Tierschutz, Umwelt und eine vegane Lebensweise gebracht?
Mark Benecke: Also, ich fand das schon immer bescheuert, wie mit Tieren umgegangen wird. Als Kind sind wir oft mit dem Auto nach Bayern gefahren, und da sah ich dann die Tiertransporte. Das konnte ich einfach nicht verstehen, wie das irgendjemand nicht unangenehm finden kann. Und immer, wenn ich mit diesen Themen Berührung hatte … im Studium habe ich mit Tintenfischen gearbeitet – die haben wir halt wie Menschen behandelt.
Ich habe nie verstanden, wie man das anders sehen kann. Ich fand es immer rätselhaft, mit welcher Gelassenheit Tiere getötet werden. Immer. Das ist meine Wesensart.
Welche Handlungen sind für Sie zwingend notwendig?
Sie haben sich also früh vegetarisch, später vegan ernährt?
Benecke: Ja, auf jeden Fall. Das war kein Bruch. Das habe ich einfach gemacht.
Sie bewegen sich mit Ihrem Engagement an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Mitgefühl. Wie verbinden Sie diese beiden Welten?
Benecke: Ich halte mich aus ethischen Diskussionen komplett raus. Mich interessiert nur: Was hast du gestern getan?
Ich fordere Mitgefühl gar nicht so stark. Viele Leute stellen eher auf Umweltschutz ab, andere eher auf das einzelne Tier. Mir ist das egal. Hauptsache, du tust messbar was. Irgendwelche Selbstverpflichtungserklärungen oder ein Ethikkodex – das interessiert mich überhaupt nicht.
Entweder du machst was nachweislich oder nicht.
Wo beginnt für Sie Aktivismus?
Benecke: Da, wo man selber was tut. Alle, die nur rumlabern, interessieren mich nicht. Ein Beispiel: Ich kannte mal jemanden aus einer der Tierschutzparteien, der sich öfters Tierprodukte gekauft hat. Ich habe dann einfach mit dem nichts mehr zu tun gehabt. Ich möchte ausschließlich von Leuten umgeben sein, die das tun, was sie sagen.
Das ist für mich Aktivismus.
Und mir reicht es auch, wenn jemand nur handelt und nichts sagt.
Welche Handlungen sind für Sie zwingend notwendig?
Benecke: Keine Tierprodukte verwenden ist zwingend, weil es das Einfachste, Schnellste und Wirksamste ist. Von den einfachen, schnellen Sachen ist es das, was sofort wirksam wird. Bei anderem muss man abwägen.
Unterhalb dieser Schwelle braucht man kein Gespräch mehr führen.
Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 135: „Achtsamkeit & Aktivismus":
Ist Aktivismus im besten Sinn eine Form gelebten Mitgefühls?
Benecke: Ja, das gibt es auf jeden Fall. Besonders bei Tierrechtsaktionen vor Zoos, in Nürnberg oder Berlin zum Beispiel. Das sind mitgefühlgeleitete Aktivistinnen und Aktivisten. Der schwungvollste Aktivismus entsteht tatsächlich aus dem Mitgefühl.
Hier weiterlesen
Bild © unsplash.com
