Achtsamkeit, Mitgefühl und innere Präsenz können helfen, der Angst ihren Schrecken zu nehmen. Ein erfahrungsbasierter Zugang aus MBSR, „Mindfulness-Based Stress Reduction“, MBCT, „Mindfulness Based Cognitive Therapy“ und buddhistischer Praxis.
Sie werden eine unsagbar große Angst verspüren, wenn Sie vor der Glut stehen und sich fragen, ob Sie darüber gehen können. Und Sie werden wissen, ob Sie es tun oder nicht“, sagte der Trainer zu Beginn des Feuerlaufseminars.
Er sollte recht behalten.
Der Moment, bevor ich barfuß auf den 700 Grad heißen Glutteppich trat, war erfüllt von Angst. Unmittelbar, körperlich, überwältigend. Doch inmitten der Hitze traf ich eine Entscheidung: Ich wollte mich nicht länger abhalten lassen, das zu tun, was mir am Herzen liegt. Ich nahm die Angst sprich wörtlich „unter den Arm“ und ging. Ich habe nicht gelernt, furchtlos zu sein. Aber ich habe gelernt, mit der Angst zu gehen. Sie muss nicht verschwinden, damit ich mich bewegen kann. Sie darf da sein – und ich auch.
Angst gehört zu den ursprünglichsten menschlichen Erfahrungen.
Manchmal flüstert sie als vage Unruhe, manchmal bricht sie als Panik hervor. In einer Welt der Krisen und Umbrüche begegnen wir ihr nicht nur individuell, sondern auch kollektiv. Die Frage ist nicht, ob Angst auftritt, sondern wie wir ihr begegnen.
Aus psychologischer Sicht ist Angst zunächst sinnvoll. Sie ist ein Warnsystem, das uns schützt, wach macht, unsere Sinne schärft. Doch wenn sie sich verselbstständigt, zum Beispiel in Form von Panikattacken, sozialer Phobie oder chronischer Anspannung, wird die Angst zur Bedrohung. Dann verengt sie Wahrnehmung, Denken und Handeln, entfremdet uns vom Körper und vom Leben.
Sie wirkt wie ein Schatten, der nicht weichen will.
Abgesehen von Gefahrensituationen, tritt Angst selten isoliert auf. Häufig ist sie verflochten mit chronischem Stress und Depressionen, und es liegt ihr eine dauerhafte Anspannung zugrunde, das Gefühl, den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein.
Im Stresszustand bleibt das Nervensystem in Alarmbereitschaft. Gedanken kreisen um Verlust, Versagen oder Unsicherheit. Angst ist dann kein Auslöser und keine Folge, sondern Ausdruck eines inneren Klimas der Überforderung, Erschöpfung und Reizüberflutung. Hier kann ein MBSR-Kurs hilfreich sein, um zu lernen, mit Stress anders umzugehen.
Auch in depressiven Zuständen spielt Angst eine zentrale Rolle.
Viele Episoden sind begleitet von Unruhe, Sorgen, Grübelzwang und diffuser Angst. In manchen Fällen steht nicht das Stimmungstief im Vordergrund, sondern eine lähmende Angst. Die Übergänge sind fließend, das Erleben ist komplex.
Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 134: „Keine Angst vor der Angst"
MBCT wurde ursprünglich als Achtsamkeitstraining in Verbindung mit kognitiver Verhaltenstherapie zur Rückfallprophylaxe bei Depression entwickelt und hat sich auch bei Angststörungen als hilfreich erwiesen. Viele Betroffene erleben, dass schon die Erwartung der nächsten Panikepisode belastend ist. MBCT unterbricht den Angstkreislauf – nicht durch positives Denken oder Kontrolle, sondern durch bewusstes, freundliches Gewahrsein der gegenwärtigen Erfahrung.
Die Übenden lernen, Angst als Momenterfahrung zu erkennen statt als Dauerzustand.
So kann sie an Normalität gewinnen. Mit der Zeit entsteht ein neues Selbstverständnis: „Ich bin nicht die Angst. Ich bin jemand, der Angst erleben und mit ihr leben kann.“ Diese Beobachterperspektive wird zur Ressource
Hier weiterlesen
