Hier finden Sie einen Auszug von "Wenn die Liebe gehen muss" von Susanne Dicken, aus Ursache\Wirkung №. 132: „Liebe, Sex und Achtsamkeit".
Der Tod gehört zum Leben dazu. Doch einfacher macht das Wissen darum den Abschied von der großen Liebe nicht.
Mein Liebster musste vor zwei Jahren seinen Körper verlassen. Nach einer unerwarteten Diagnose siebeneinhalb Monate zuvor. Oswin war ein tantrisch-buddhistischer Laien-Lama. 35 Jahre lang hatte er zum großen Teil in Asien studiert und alle Prüfungen eines Lamas abgelegt. Zudem war er in Phova ausgebildet, einer Form der Praxis, die Menschen im Übergang vom Leben ins „reine Land“ begleitet.
Gut sieben Jahre zuvor las ich die ersten Worte, die er an mich richtete, als er sich um die Teilnahme an einem Seminar zum Thema achtsame Sexualität bewarb, das ich damals leitete. Er hatte einen über 1.000 Kilometer langen Weg aus den Bergen, zwischen Graz und Slowenien, von einem Biohof ins Bergische Land, zu meinem Seminar. Sofort wurde mir beim Lesen seiner Worte klar, dass er der Mann war, auf den ich lange gewartet hatte.
Ich suchte von ganzem Herzen einen Mann, mit dem ich meine Berufung gemeinsam leben konnte. Als Paar- und Sexualtherapeutin fand ich es Glück verheißend, diesen Beruf als Frau nicht mehr länger allein auszuüben. Wie wunderbar wäre es, wenn ein weiser, achtsamer Mann mit viel Humor an meiner Seite wäre, um von Paar zu Paar arbeiten zu können.
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Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 132: „Liebe, Sex und Achtsamkeit"
Ich durfte diese Jahre mit Oswin in der Weise leben und arbeiten, die ich mir immer erträumt hatte. Wir durften erfahren, was es bedeutet, wenn Achtsamkeit in die Liebe, in die Sexualität, in den Alltag, ins Berufsleben einfließt. Das, was wir miteinander zu Hause lebten, teilten wir in unserer Praxis in der Kölner Südstadt mit den Paaren, die zu uns fanden. Unsere Rituale, die wir gemeinsam entwickelten und als hilfreich in unserem eigenen Alltag, in unserem Gebet, in unserem Lieben, in unserer Sexualität, in unserer Kommunikation und in unserer Streitkultur als hilfreich empfanden, vermittelten wir den Menschen, die zu uns fanden.
Wir waren beide fasziniert davon, was sich in kurzer Zeit bei den Paaren zeigte und wandelte – in ihnen als Individuen und in ihrem Miteinander. Wir staunten auch über das, was mit uns geschah, was wir miteinander erlebten, was sich in jedem von uns entfalten durfte. Welche Dimensionen der Begegnung miteinander und allein möglich wurden. Eine wichtige Basis in allem war immer unser Humor. Dinge nicht zu ernst zu nehmen, immer wieder über sich selbst lachen zu können, trug uns durch alles hindurch. Ich empfand es als ein großes Geschenk, diese Jahre mit Oswin erleben zu dürfen.
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